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Luxemburg sucht Geschäftskontakte

Luxemburg sucht Geschäftskontakte
(LUXPRESS/Jean-Claude Ernst)

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Der erste Tag der Wirtschaftsmission in Korea stand ganz im Zeichen der Wirtschaftsbeziehungen. Seminare, Besuche und persönlichen Treffen sollen dabei helfen.

Rund zehn Stunden nimmt der Flug zwischen Frankfurt und der südkoreanischen Hauptstadt Seoul in Anspruch. Noch am Sonntagabend, nach Ankunft der Delegation, wurde die Gruppe offiziell von Young-Chul Hong, Luxemburger Ehrenkonsul in Seoul und Präsident der Unternehmensgruppe Kiswire, begrüßt.

Für Erbgroßherzog Guillaume ist es bereits sein dritter offizieller Besuch in Korea. Aber diese Wirtschaftsmission «wird die beste», so Young-Chul Hong. Es handle sich zahlenmäßig um die größte Delegation aus Luxemburg, die Korea je besucht hat. Mit dabei sind rund 60 Vertreter von 30 Unternehmen aus Luxemburg. Die Zahl sei ein Zeugnis für das steigende Interesse von Luxemburger Firmen an Korea.

Erfolgreiches Freihandelsabkommen

Das gut gefüllte Programm begann mit einer Vorstellung der Handelsbeziehungen Korea-Europa durch das Büro der EU-Kommission in Seoul. Südkorea hat seit fast drei Jahren ein Freihandelsabkommen mit Europa. «Seitdem haben Europas Exporte nach Korea um satte 35 Prozent zugelegt», erklärte Paolo Caridi. Und «die EU erwirtschaftet sogar einen leichten Handelsüberschuss». Wenig überraschend ist, dass Korea letztes Jahr die stolze Anzahl von 402.000 Autos nach Europa verkauft hat. Überraschender dabei ist, dass auch Europa 122.798 Autos nach Korea exportiert hat. Ein weiterer europäische Exportschlager ist Rohöl aus Großbritannien.

Hintergrund sind die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran und die Suche Koreas nach zuverlässigen Energielieferanten. Nach einem «ergiebigen» Treffen von Wirtschaftsminister Etienne Schneider mit Koreas Minister für Handel, Energie und Industrie, Sang-Jick Yoon, begann das traditionelle Wirtschaftsseminar, wo sich Luxemburg vor rund 100 koreanischen Geschäftsleuten im Hotel Grand Hyatt vorstellte. Bei der Eröffnung erinnerte Erbgroßherzog Guillaume an seine «allererste Wirtschaftsmission im Ausland» – vor 13 Jahren in Korea. Beide Länder würden ähnliche Strategien verfolgen, was die Wirtschaft angeht, erklärte er. Beide Länder seien oft die ersten, die sich in neue Bereich vorwagen würden.

Tor nach Europa

Etienne Schneider verwies – im Rahmen des Seminars – auf den Erfolg des Freihandelsabkommens EU-Korea. Das habe beiden Ländern zusätzliches Wachstum gebracht. Er unterstrich aber, dass Luxemburg nicht erst das Freihandelsabkommen benötigte, um Korea zu entdecken. «Bereits im Jahr 1997 wurde eine Luxemburger Handelsvertretung hier eröffnet», so Schneider. Carlo Thelen, Direktor der Handelskammer, machte seinerseits Werbung für den Standort Luxemburg als ideales Tor nach Europa: «Luxemburg hat die offenste Wirtschaft Europas und viel Erfahrung mit ausländischen Konzernen», unterstrich er.

Danach trennte sich die Delegation. In separaten Veranstaltungen stellten die Geschäftsleute aus dem Großherzogtum den Luxemburger Automobilsektor, den Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die Vorzüge des Tourismusstandortes Luxemburg vor. Transportminister François Bausch, der am gestrigen Montag in Seoul eintraf, leitete ein Seminar über die Luxemburger Logistikbranche.

Standort für Forschungszentren

Nach den Seminaren beginnt jeweils der wichtigste Teil der Arbeit: das Kontakteknüpfen zwischen Geschäftsleuten. Dies ist entscheidend, damit die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder in den folgenden Jahren auch wirklich wachsen werden. Auf dem Programm stand auch ein Besuch bei den koreanischen Konzernen Doosan und bei einem Forschungszentrum von Hyundai Mobis. Ersterer hat vor zwei Monaten das Werk Circuit Foil in Wiltz von ArcelorMittal gekauft. Der zweite ist der größte Automobilzulieferer in Korea. Die Gruppe beschäftigt 18.000 Mitarbeiter, betreibt 46 Werke und sechs Forschungszentren in der Welt.

Große Unternehmensgruppen spielen in der koreanischen Wirtschaft eine überdurchschnittlich große Rolle. Sie haben viel dazu beigetragen, dass sich das Land innerhalb Jahrzehnte zu einer wohlhabenden Industrienation entwickelte. Heute stehen die 30 wichtigsten Unternehmen für rund 90 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung. Die Namen dieser großen Mischkonzerne sind weltbekannt: Samsung, Hyundai, Daewoo, LG, Kia …

«Ein idealer Standort»

Während Joost Ortjens vom Luxemburger Automotive Components Cluster bei Hyundai Mobis den Sektor vorstellte, kam Wirtschaftsminister Etienne Schneider direkt zur Sache: «Luxemburg ist ein idealer Standort für die Autoindustrie – vor allem, um hier ein Forschungszentrum aufzubauen», unterstrich er. Neben rund 30 aktiven Firmen in dem Bereich (z.B. Goodyear, IEE, Delphi, Cebi International) habe das Land auch interessante Kooperationen sowohl mit der Universität als auch mit staatlichen Forschungsinstituten zu bieten. Zudem seien die Patent-Reglementierungen in Luxemburg sehr günstig, fügte er hinzu. Insgesamt erwirtschaftet die Branche in Luxemburg einen jährlichen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und beschäftigt 10.000 Menschen (davon 2.000 in der Forschung), so Ortjens.

Zum Abschluss eines langen Tages lud der Bürgermeister der Millionenmetropole Seoul, Won Soon Park, die Luxemburger Delegation zu einem offiziellen Empfang. Hier wurden zwei Absichtserklärungen unterzeichnet. Die eine zwischen dem Firmeninkubator Technoport aus Esch-Belval und der Seoul Business Agency. Die internationale Entwicklung junger Start-ups soll gefördert werden. Luxemburger Start-ups soll der Markteintritt in Korea vereinfacht werden – und umgekehrt. Die zweite zwischen dem Luxemburger Wirtschaftsministerium und der Stadt Seoul. Sie soll die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen vereinfachen. Erbgroßherzog Guillaume sprach von einem «Meilenstein in den bilateralen Beziehungen».