
Am Kreisverkehr auf dem Kirchberg rund die Serra Skulptur, herrscht Chaos. Eine riesige Baustelle mit einer Behelfsausfahrt beherrscht die Szene. Aus ihr wachsen zwei Gebäude hervor, die Arbeitsplätze für Mitarbeiter des Finanzkonzerns BNP Paribas in Luxemburg zusammenführen sollen.
Der Finanzkonzern, den die BNP Paribas in Luxemburg rund um BGL BNP Paribas gegründet hat, beschäftigt heutzutage um die 4.000 Menschen. Er ist an vielen Stellen untergebracht: Die Fondsverwaltung mit der Tochtergesellschaft BNP Paribas Securities Services der BNP Paribas sitzt in Howald direkt an der Autobahn. Der Konzern besitzt noch das alte Gebäude – früherer Hauptsitz – am Hamilius Komplex. Die Informatik sitzt im Axento Gebäude, andere in einem der Codic Gebäude auf dem Kirchberg. Und dann gibt es noch die Villa am Boulevard Royal, die für das Wealth Management hergerichtet wurde, mit dem Hochhaus dahinter.
«Rhythmus»
«Der Grundgedanke, alles zusammenzufassen, erwies sich in der Realisierung umfangreicher als ursprünglich gedacht», sagt Marc Lenert, Vorstandsmitglied der BGL BNP Paribas und als solcher zuständig für die Idee, den Konzern auf dem Kirchberg zu konzentrieren. Da die Versicherungsgesellschaft der Gruppe lieber ihre Eigenständigkeit bewahren will, zieht sie es vor, das Hochhaus hinter der Villa zu kaufen und sich dort zu etablieren. Marc Lenert: «Wir werden auch unser Haus in der Aldringenstrasse verkaufen. Es wird abgerissen werden und neu gebaut. Wir haben mit der Stadt Luxemburg intensive Gespräche geführt, damit wir im selben Rhythmus arbeiten können, wie das Centre Hamilius.» Lenert will über den neuen Besitzer über die Tatsache hinaus, dass man in Gesprächen sei noch nicht reden. Aber: «Wir werden uns das neue Haus teilen. Wir wollen im neuen Haus an alter Stelle unsere Filiale wieder einrichten und sie auch besitzen. Es wird also eine Copropriété werden.»
Auf dem Kirchberg wurden – die Probleme mit den anderen Immobilien weitgehend gelöst – derweil Pläne für die Erweiterung geschmiedet. Roby Thill, Direktor für das Facility Management,, arbeitete mit seinem sechsköpfigen Team daran, für die Architekten eine Philosophie und Ziele in einem Papier über 40 Seiten zusammenzustellen. Das Papier diente als Grundlage für einen Architektenwettbewerb. «Wir haben den Architekten mit diesem Grundsatzpapier völlig freie Hand gelassen», sagt Thill. «Sie konnten daraus ihre Ideen entwickeln.»
«Hausmeister»
Gewonnen hat den Wettbewerb das Büro «M3». Beteiligt hatten sich vier luxemburgische Architekturbüros und zwei ausländische. Was sich M3 hat einfallen lassen, ist derzeit schon aus dem Boden gewachsen. Die Pläne sehen Platz für 3 Gebäude vor – hinter dem aktuellen Hauptgebäude. Tatsächlich wird es derzeit nur zwei geben. «Das dritte brauchen wir (noch) nicht», sagt Thill. Lenert: «Wir haben die Fundamente bauen lassen. Wenn wir es benötigen, können wir auf den Fundamenten relativ schnell das dritte Gebäude errichten. Bis dahin wird auf den Fundamenten des dritten Gebäudes wieder ein Garten entstehen.»
BGL BNP Paribas hat ihr Bauprojekt nach den Regeln des guten Hausvaters erstellt. Roby Thill, der «Hausmeister» des Konzern und wie er sich selber sieht «Mädchen für alles» was die Hausverwaltung angeht, hat sich mit seinem Team und mit Marc Lenert die Leitung der Arbeiten nicht aus der Hand nehmen lassen. «Solch ein Projekt macht man schließlich nur einmal im Leben», sagen sie.
«Platz»
Auf einen Generalunternehmer wurde konsequenterweise verzichtet. Die Ausschreibungen von 50 Losen nahmen sie selber vor, verwalteten auch selbst die zeitweise bis zu 400 Arbeiter auf der Baustelle. Auch wenn derzeit nur zwei Häuser stehen, muss man sich das Projekt mit dreien vorstellen. Rechts und links werden eines Tages zwei sechs stöckige schwarze Häuser stehen. In der Mitte erhebt sich ein weißes Haus mit 14 Stockwerken. Die beiden Häuser, die jetzt gebaut sind, verfügen über eine Fläche von 51.000 Quadratmetern. Das Haus, über dessen Fundament noch für geraume Zeit Gras wachsen wird, wird weitere 18.000 Quadratmeter beisteuern, wenn es eines Tages gebaut wird. Thill: «Es war nur einfach vernünftig, den zukünftigen Komplex als Ganzes zu planen, auch wenn wir jetzt nur zwei Drittel bauen».
Auf den 51.000 Quadratmetern wird Platz für 3.000 Arbeitsplätze entstehen. Benötigt werden derzeit aber nur Platz für 2.700. Thill: «Wir haben so viel Platz, dass wir drei Etagen vermieten können. Die Häuser sind so geplant, dass man etagenweise vermieten, aber auch nur halbe Etagen vermieten kann.»
Tram
Lenert gibt zu, dass die Konzentration aller Tätigkeiten der Finanzgruppe auf dem Kirchberg eine Reihe von Problemen verursacht. «Wir brauchen unbedingt die Tram», sagt er und verhehlt nicht, dass ein Fertigstellungszeitpunkt von 2018 eher eine Enttäuschung ist. Die BGL BNP Paribas Häuser werden 2016 fertig sein. Dann werden die über 2.000 Mitarbeiter morgens zu ihrer Arbeit auf Kirchberg kommen und abends wieder weg wollen. Sicher gibt es den Europabus vom Bahnhof zum Kirchberg und zurück. Aber die Tram wäre wohl das bessere Verkehrsmittel. Parkplätze gibt es unter den Häusern. Es sind 500, die nicht ausreichen. Das weiß Thill auch: «Für den Kirchberg gilt: ein Parkplatz für 125 Quadratmeter Bürofläche. Würde man das verändern, etwa auf 1:50 gehen, könnte man sich auf dem Kirchberg nicht mehr bewegen. Wir können den Mitarbeitern, die heutzutage im Gebäude in Howald arbeiten und dort einen Parkplatz haben, zusichern, dass sie auch auf dem Kirchberg einen Parkplatz haben werden.»
BGL BNP Paribas hat lange mit dem Fonds d’Urbanisation et d’Aménagement du Plateau de Kirchberg über eine Lösung für das Verkehrsproblem nachgedacht. So, wie der Kreisverkehr bisher schon durch ein Tunnel entlastet wird, der direkt zur Autobahn nach Trier führt, ist ein zweiter Tunnel mit einer direkten Auffahrt zur Autobahn nach Brüssel, Esch und Metz fast fertiggestellt. Lenert: «Und dann muss man sehen, dass der Kreisverkehr auf vier Spuren erweitert werden soll mit jeweils eigenen Ausfahrten.»
«Konzentration»
Die Erweiterungsbauten des nach ArcelorMittal zweitgrößten Arbeitgebers in Luxemburg kosten 200 Millionen Euro. Die Summe ermäßigt sich um den Erlös aus dem Verkauf der bestehenden Gebäuden. «Man muss aber auch sehen, dass wir durch die Zusammenführung der Einzelfirmen Synergien von bis zu fünf Millionen Euro pro Jahr haben werden», sagt Lenert. «So wird die Fondsverwaltung BNP Paribas Securities Services hier auf Kirchberg zwar auch Miete zahlen wie in Howald, aber diese Miete bleibt im BNP Paribas Konzern». Kredite nimmt BGL BNP Paribas für diese Erweiterung nicht auf. Sie finanziert die Summe aus eigenen Mitteln.
Für Lenert ist ein weiterer Gedankengang wichtig: Wir schaffen mit der Konzentration auf dem Kirchberg die Möglichkeit zu einer echten «corporate identity». Hier arbeiten dann (fast) alle Mitarbeiter von BNP Paribas in Luxemburg an einem Ort zusammen.
Concierge
Wer heutzutage einen Komplex auf Kirchberg baut, wie BGL BNP Paribas dies tut, der muss seine Mitarbeiter mit Standards «verwöhnen», die heute schon zur Normalität geworden sind. Natürlich wird es einen Fitness-Raum geben. Natürlich wird es einen Concierge geben, der die schmutzige Wäsche zur Reinigung trägt, nach dem Mittagessen auch die bekleckerte Krawatte gegen eine neue austauscht. Natürlich wird es auch im Gebäude eine Kindertagessstätte geben. «Wir hatten schon eine in der Nähe, in der Eltern ihre Kinder versorgt sahen, aber im neuen Gebäude brauchen wir eine größere», sagt Lenert.
Zur Identifizierung mit dem neuen Arbeitsplatz hat es einen Wettbewerb gegeben. Die Gebäude sollen einen Namen bekommen. Das schwarze am Boulevard Kennedy wird «eKinox» heißen. Das weiße in der Mitte soll den Namen «oKsigen» tragen. Und das alte Gebäude mit dem Vorstandssitz hat den Namen «Kronos» erhalten. Bedingung war, dass in allen Namen ein «K» als Großbuchstabe stehen sollte. Es steht für Kirchberg, neue Heimat des Gesamtkonzerns BNP Paribas in Luxemburg.
Zu Demaart
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