Gemeinsam mit TNS-Ilres wurde im Sommer 2014 eine Folgestudie durchgeführt, deren Ergebnisse am Mittwoch von Paul Hammelmann (Präsident Sécurité routière“) und Charles Margue (Direktor TNS-Ilres) präsentiert und interpretiert wurden. Die repräsentative Umfrage wurde unter 1.008 Verkehrsteilnehmern, alle Inhaber des B-Führerscheins (Auto), während zwei Wochen im Juni 2014 durchgeführt.
14.000 km: Einleitend wurden alle Befragten nach ihrer Kilometer-„Leistung“ pro Jahr befragt. Daraus konnte ermittelt werden, dass der Luxemburger Autofahrer durchschnittlich 14.000 km/Jahr zurücklegt.
Gute Autofahrer: Dies interessiert natürlich besonders: 30 Prozent sehen sich selbst als exzellenten, resp. sehr guten Autofahrer an; 69 Prozent als eher guten Autofahrer. Die „Anderen“ werden als zu 73 Prozent eher gut empfunden; als eher schlechte oder gar sehr schlechte Autofahrer werden 22 Prozent der anderen Verkehrsteilnehmer empfunden.
Selbstüberschätzung: Das „leidige Problem“ der Selbstüberschätzung nannte es Charles Margue: 37 Prozent der 18-24-Jährigen schätzen sich als sehr gute Autofahrer ein.
Alkoholkontrolle: Eine der Fragen lautete: Wie oft mussten Sie sich in den letzten drei Jahren einer Alkoholkontrolle unterziehen? Nie, lautete die Antwort von 72 Prozent. 2007 lag dieser Prozentsatz bei 74.
Laut Ergebnis, also nach Aussagen der Befragten, habe das eigene Erkennen der Gefahren des Straßenverkehrs das Verhalten im Verkehr am meisten beeinflusst (75 Prozent); laut Paul Hammelmann scheinbar weniger die „peur du gendarme“. Wie diese jedem Befragten eigene „prise de conscience des dangers de la route“ zustande kommt, ist natürlich nicht messbar: Durch Repression? Durch Sécurité-routière-Kampagnen, d.h. durch Vorbeugung? Nach eigenem Erwischtwerden? Nach einem Unfall? Durch einen Vorfall in der Familie/im Freundes- und Bekanntenkreis? Durch Sich-selbst-in-Frage-stellen? Durch …?
Demnach schwer interpretierbar, und Hammelmann fragte sich denn auch, ob dieses Ergebnis so „richtig“ sei: „Erfahrungswerte aus dem Ausland sagen, dass Repression und Vorbeugung das Verhalten sehr stark ändern können. ‚Et gesäit een awer op alle Fall, dat responsabelt an virsichtegt Fueren als sozial valorisant empfonnt get‘. Das einzige, was wirklich hilft“, formuliert er eine Schlussfolgerung, „ist wohl eine Kombination von drei Faktoren: Repression, Vorbeugung, Mediatisierung.“
„Incivilité“ steigend
Die erwähnte Frage, sowie einige andere Umfrage-Ergebnisse – Akzeptanz des Punkteführerscheins, des Absenkens der Promillegrenze – zusätzlich zu anderen gesellschaftlichen Themen – Charles Margue führte als Beispiel das Rauchverbot an – bewegten den Direktor des Umfrage-Instituts zur Feststellung: „Der Luxemburger hat seit einigen Jahren existierende ‚neue Spielregeln‘, die eigentlich nichts anderes besagen als ‚Schütz mich vor mir selbst‘, angenommen. Die ‚incivilité‘ steigt, darin ist man sich weitgehend einig und das wird auch teilweise für sich selbst zugegeben, aber die Maßnahmen dagegen werden auch akzeptiert.“
Margue konnte seine Aussage leicht untermauern: 95 Prozent der anonym Befragten geben an, dass sie die Smartphone-Nutzung (SMS, MMS, Mails) während der Fahrt als das derzeit gefährlichste Verhalten im Straßenverkehr ansehen – 28 Prozent geben aber auch zu, dies schon mal gemacht zu haben.
In der Gefährlichkeits-Hitliste folgt zu viel Alkohol am Steuer mit 93 Prozent – 23 Prozent geben an, schon mal alkoholisiert gefahren zu sein.
Diskrepanzen
Die Beispiele mit den stärksten Diskrepanzen: 51 Prozent empfinden „bei Orange nicht stehen bleiben“ als gefährlich; aber 85 Prozent haben’s schon mal gemacht. Den Sicherheitsabstand nicht einhalten empfinden 91 Prozent (Autobahn und ausserorts), resp. 79 Prozent (innerorts) als gefährlich; aber 65, resp. 69 Prozent haben den erforderlichen Mindestabstand schon mal nicht eingehalten.
Abschließend kurz zurück zum Telefon: ohne Freisprechanlage telefonieren empfinden 89 Prozent der Befragten als gefährlich – 30 Prozent haben das aber schon mal getan. „Ein weiteres Mal, dass das Gefährlichkeitsempfinden im Widerspruch mit der Praxis zu stehen scheint“, so Margue: „Wird dies in absehbarer Zeit Führerscheinpunkte kosten, könnte dies wohl etwas verändern.“
Weitere Details zur Studie können Sie in der Tageblatt-Ausgabe vom 20. November (Print und Epaper) nachlesen.
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