Die Staatsanwaltschaft teilte am Donnerstag mit, es bestehe Verdacht gegen die Banco Espírito Santo (BES) auf Untreue, Urkundenfälschung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Insgesamt seien 34 Wohnungen, eine Anwaltskanzlei und sechs Finanzgesellschaften durchsucht worden. Die Finanzgruppe hat ihren Sitz in Luxemburg.
Aus Justizkreisen verlautete, die Razzien hätten sich vor allem gegen die Büros und Wohnräume früherer Manager der Bank gerichtet, die im Sommer durch den Staat vor der Pleite bewahrt worden war. Die BES hatte im Juli für das erste Halbjahr einen Verluste von 3,57 Milliarden Euro vermeldet und war an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gerückt. Anfang August wurde sie daher vom portugiesischen Staat gerettet. Das Institut wurde in zwei Teile zerschlagen: Faule Kredite wurden in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert, deren Eigentümer die bisherigen Aktionäre der BES sind. Aus dem gesunden Teil wurde mit einer Kapitalspritze von fast fünf Milliarden Euro ein neues Unternehmen namens Novo Banco geschaffen.
Portugiesische Medien berichteten am Donnerstag, die Durchsuchungen gingen auf eine Beschwerde der portugiesischen Zentralbank zurück. Diese hatte im Juli eine Überprüfung der BES angeordnet, um die Verantwortlichkeit für die Krise zu klären. Dabei richtet sich der Blick insbesondere auf den früheren Vorstandvorsitzenden Ricardo Salgado und seinen Finanzdirektor Amilcar Morais Pires. Salgado war bereits im Juli im Zuge der Ermittlungen zu einer anderen Finanzaffäre wegen Betrugs und Untreue festgenommen worden, bevor er auf Kaution wieder freigelassen wurde.
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