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Schuss Nummer 18

Schuss Nummer 18
(Finn Overdick)

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Richter Prosper Klein spricht am Mittwoch im Prozess um einen toten Soldaten von "böser Vertuschungsabsicht". Immer mehr Soldaten verstricken sich in Widersprüchen.

Für die Handhabung eines Schnellfeuergewehrs gibt es klare Sicherheitshinweise: Gewehr teilgeladen und gesichert (Magazin befindet sich in der Waffe). Gewehr fertiggeladen und gesichert (Patrone befindet sich im Patronenlager vor dem Lauf). Gewehr entladen, Patronenlager frei, entspannt und gesichert (In der Waffe steckt kein Magazin mehr). Die entsprechende Befehlskette sowie Richtlinie scheint bei der Luxemburger Armee nicht zu greifen. Am dritten Prozesstag um den Tod eines Soldaten am 5. November 2012 schält sich immer mehr der militärische Schluder raus.

Am Mittwoch wurde ein Offizier im Rang eines Oberstleutnants sowie ein Unteroffizier und zwei Korporale von Richter Prosper Klein in die Mangel genommen. Die Soldaten verhedderten sich in zahlreichen Widersprüchen beim Thema geladene und ungeladene Waffe sowie der Handhabung damit im Wachlokal.

«D’Jongend hu gespillt»

Beim Thema Aufsichtspflicht gilt für Oberstleutnant Paul Reding der «acte de présence». Er war am 5. November als leitender Offizier verantwortlich für das Munitionsdepot Waldhaff. Bei der Präsenzpflicht setzte er auf seine Unteroffiziere und Korporale. Reding spricht von gelegentlichen Stichproben. Richter Klein: «Warum wurden keine am 5. November gemacht?» Antwort Reding: «An diesem Tag wurde nicht spezifisch kontrolliert, ob die Waffen ein Magazin hatten oder nicht.» Antwort Richter Klein:» Sind die Soldaten (Vorgesetzten) wirklich so uneinsichtig, widerborstig und blöd, sich nicht an die Sicherheitsanweisungen zu halten?» Antwort Reding: «Man weiss aber dann immer noch nicht, ob eine Kugel im Lauf ist.»

Für Richter Klein steht fest:»D’Jongend hu gespillt» Er spricht von den verdächtigen Kratzern an der Munition. Die entstehen, wenn die Munition aus dem Magazin ins Patronenlager wandert. In der Waffe Steyr Aug des Angeklagten David B. waren 20 Schuss. Kugel 20 traf das Opfer Laurent Thommes. Kugel 19 rückte ins Patronenlager nach. An der Patrone 18 waren Kratzer von Bewegungen der Munition entdeckt worden. Jemand muss sie bewußt unter den beiden ersten dort versteckt haben. Klein spricht von «böser Vertuschungsabsicht».

«Habe den Jungs vertraut»

Oberstleutnant Reding:» Wir haben da ein System, damit wird kontrolliert, ob eine Patrone einen solchen Kratzer hat. Sie wird ausgetauscht. Eigentlich wird die Munition zweimal am Tag auf Kratzer und Dellen kontrolliert, erklärt Waffenmeister Remy Eiffers vor Gericht. Falls der zuständige «chef de garde» die Patronen richtig kontrolliert hätte, wäre das mit den Kratzern aufgefallen. Korporale da Silva, war damals der Chef im Depot. Er ist sich nicht mehr sicher, ob er die Munition per Hand kontrolliert hat. Richter Klein: » Können sie mir erklären wie die 18. Patrone in dem Magazin ‚verbuddelt‘ wurde?» da Silva: «Habe keine Antwort darauf. Habe den Jungs vertraut.

Unteroffizier Remy Eiffes spricht vor Gericht von einer Ausnahmebestimmung beim Tragen einer Waffe mit Magazin im Munitionsdepot. Wegen Bauarbeiten mussten die Soldaten öfters das Tor öffnen und schließen. Nur diese Soldaten durften mit einem Magazin in der Waffe ins Wachlokal. Anscheinend wurde diese Anordnung – die es nicht schriftlich gab – einfach auf alle Soldaten übertragen. Ein anderer damaliger Vorgesetzter im Depot Waldhaff, Korporal Kiesch: «Laurent Thommes ist immer mit einem Magazin in der Waffe rumgelaufen. Ich weiss aber nicht, ob diese Praxis der Vorschriften entsprach.

«Luxair in der Armee»

Richter Prosper Klein spricht von der «Luxair in der Armee». Durch Dummheiten entsehen katastrophale Fehler (Luxairabsturz). Wenig später wirft er nach: » Eine Armee trägt Uniform ist aber nicht immer uniform. Die Familie des Opfers Laurent Thommes in einer kurzen Prozesspause am Mittwoch: «Uns geht der Hut hoch. Die versuchen das Ganze zu vertuschen.»

Am Donnerstag werden weitere Soldaten im Zeugenstand aussagen.