Am 1. November wurde der 69-jährige Camille Kolber tot in seinem Anwesen in der rue Killebierg in Hassel aufgefunden. Er wurde auf brutalste Art und Weise mit einer Axt im Schlaf erschlagen. Angeklagt sind sein damaliger Freund und zugleich Adoptivsohn Pascal K., dessen jetziger Partner Jérémy B. und ein Bekannter von Letzterem, Charles C. Erstaunlich ist, dass am Tatort keinerlei DNA-Spuren gefunden wurden. Die Axt wurde nach der Tat in der Badewanne gewaschen und auch hier wurden keine Spuren des Täters gefunden.
Zu Beginn der Sitzung am Freitag hoben die Verteidiger von Charles C. erneut hervor, dass der Prozess in erster Instanz ganz und gar nicht fair abgelaufen sei. „Es war eindeutig ein Indizienprozess, der gegen unseren Mandanten geführt wurde“, so einer der beiden Verteidiger.
Alibi
Sowohl Jérémy B. als auch Pascal K. hatten zur Tatzeit ein Alibi. Sie befanden sich in Frankreich. Der Hauptangeklagte Charles C. dagegen war alleine zu Hause. Laut Anklageschrift soll Charles C. den Auftragsmord ausgeführt haben und von den beiden anderen angestiftet worden sein.
Danach erklärte der Hauptangeklagte, dass er sich nicht mehr an die genauen Details von vor vier Jahren erinnern kann. Vor allem was das Datum angeht wo er sich mit Jérémy B. getroffen hat. Der Anklageschrift nach hätte Jérémy B., Charles C. angerufen um ihm mitzuteilen er solle Camille Kolber eine Lektion erteilen. Charles C. stritt jedoch am Freitag ab, dass dies der Grund für den Kontakt zwischen beiden war. „Jérémy hat mir erklärt, dass Camille Kolber seinen Wagen und zahlreiche Möbel und Bücher verkaufen wollte. Ich sollte mich um den Verkauf kümmern und ein wenig Geld dabei verdienen“, so Charles C. vor den Richtern. Laut Anklageschrift wollten Pascal K. und Jérémy B. nach Kanada auswandern um dort ein „Bed and Breakfast“ zu betreiben, deswegen sollte alles verkauft werden. Ebenfalls gab Charles C. an er hätte sich nur einmal nach Hassel begeben, um nachzusehen um welches Auto es sich handeln würde. Anschließend verstrickte der Angeklagte sich in zahlreiche Widersprüche. Seine Aussagen waren alles andere als kohärent.
«Giftmord»
Auf dem Rechner von Charles C. wurden ebenfalls zahlreiche Internetrecherchen gefunden die darauf hindeuten, dass er den Mord begangen haben kann. Er suchte vor allem nach Stichwörtern wie „Axtmord“, „Spuren am Tatort beseitigen“ oder „Giftmord“. Der Angeklagte erklärt, dass er sehr neugierig ist und deswegen hätte er sich solche Seiten im Internet angeschaut. Ertaunlich ist jedoch, dass er bereits in der Tatnacht im Internet nach „Axtmord in Hassel“ im Internet recherchierte. Zu dem Zeitpunkt war Camille Kolber noch nicht von den Ermittlern gefunden worden. Charles C. konnte also zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen was vorgefallen war. Das Tageblatt war in der Ausgabe des 2. November 2010 das erste Medium, das über den Axtmord berichtete.
Am 7. März 2011 haben sich Charles C. und Jérémy B. getroffen. Hierbei hat Jérémy B. Charles C. 4.000 Euro übergeben. Der Angeklagte Charles C. erklärte, dass diese 4.000 Euro dazu dienen sollten um einen Wagen für Jérémy zu kaufen. Charles C. hat anschließend angegeben, dass der Chefermittler ihn unter Druck gesetzt hätt e um Aussagen zu unterschreiben die er nie gemacht hatte. Zum Schluss seiner Aussage unterstrich Charles C.: «Ech hu näischt domatt ze dinn a kann och net soe wien et war».
Lektion
Der Angeklagte Jérémy B. erklärte vor den Richtern, dass er zwar nicht die beste Beziehung zu Camille Kolber hatte, jedoch würde er niemals jemanden umbringen oder gar umbringen lassen. Auch hätte er niemals zu Charles C. gesagt, dass er Camille Kolber eine Lektion erteilen soll. Angeblich habe Jérémy B. bei Arbeitskollegen angegeben, es gäbe große Probleme zwischen ihm und dem Opfer. Am Freitag stritt er dies zwar nicht ab, jedoch erwähnte er, dass diese Aussagen nie ernst gemeint waren. Laut Anklageschrift habe Jérémy B. sich ebenfalls bei Arbeitskollegen erkundigt, wie man an eine Waffe kommen könnte. Dies stritt er ebenfalls am Freitag ab. Seiner Meinung nach, würde jemand anders hinter der Tat stecken, der ihnen die Tat anhängen will.
Wie bereits die beiden anderen Beschuldigten, wollte Pascal K. auch nichts mit der Tat zu tun haben. Er erklärte vor den Richtern, dass auch er von den Ermittlern gezwungen wurde, Aussagen zu machen, die nicht stimmen würden. Er wurde zudem von der Polizei unter Druck gesetzt um diese Aussagen dann zu unterschreiben. Anschließend verwickelte sich auch Pascal K. in Widersprüche.
Der Berufungsprozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.
Zu Demaart
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