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Luxemburg Schirmherr von «90-90-90»

Luxemburg Schirmherr von «90-90-90»
(Tageblatt/Hervé Montaigu)

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Informieren, behandeln, Lebenserwartung von Betroffenen verlängern: Das sind die Ziele der neuen UN-Kampagne zur Aids-Bekämpfung, deren Schirmherr Luxemburg ist.

Luxemburg, bis vor kurzem für zwei Jahre nicht-ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats, hat international einen sehr guten Ruf und sein weltweiter Beitrag in Entwicklungshilfe und Kooperation ist nur ein Teil davon. Die Organisation der Vereinten Nationen, die sich der Bekämpfung der Aids-Epidemie weltweit verschrieben hat – UNAIDS – hat Luxemburg wegen seiner Renommee deshalb gebeten, die Schirmherrschaft seiner neuen Kampagne «90-90-90» zu übernehmen.

Dieses Angebot habe man mit Freuden angenommen, so der zuständige Minister Romain Schneider am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Dieser «parrainage» der bis 2020 ausgelegten Kampagne schreibe sich eindeutig ein in das, was Luxemburg in Sachen Entwicklungshilfe und Kooperation derzeit leiste; UNAIDS sei zudem bereits ein langjähriger Partner der Luxemburger Kooperation.

Luxemburg übernimmt Schirmherrschaft

Als Vertreter der Schirmherrschaft ausgesucht wurde Marc Angel, aus zwei Gründen: Der LSAP-Abgeordnete ist Präsident der zuständigen Parlamentskommission, und «als Mitbegründer von Stop Aids Now in den 90er Jahren ist sein Engagement bekannt, er drängte sich förmlich auf», so Schneider. Angel traf sich am Dienstag in Genf, dem zweiten UN-Hauptsitz, mit UNAIDS-Direktor Michel Sidibé, um die neue Kampagne zu starten. «Persönlich freue ich mich sehr über diese Aufgabe, die ich mit großem Enthusiasmus angehe», so Angel, der ebenfalls hervorhob, dass dieses Engagement perfekt in die Luxemburger Entwicklungshilfe passe: «Gesundheit ist ein wichtiger Bereich der Kooperation Luxemburgs, macht 12 Prozent der Ausgaben aus.»

Sidibé kommt aus dem Mali, als Westafrikaner kenne er Luxemburgs internationalen Beitrag zur Genüge, und deshalb habe er Luxemburg um diese Unterstützung gebeten. Die konkret so aussieht, dass Luxemburg das Programm nach außen repräsentiert und via seine ständige Vertretung in Genf alle Sitzungen bezüglich der Kampagne präsidieren wird. Erster Termin hierfür ist der 10./11. Februar.

Bis 2030 unter Kontrolle

Die neue Kampagne (bis 2020) schreibt sich ein in das UN-Ziel, dass der HI-Virus bis 2030 unter Kontrolle sein wird. «Die Kampagne wird jetzt gestartet, da die nächsten fünf Jahre kruzial sein werden im Kampf gegen Aids», erklärt Angel. Denn: weltweit wird teilweise wieder ein Anstieg der Neu-Infektionen festgestellt, auch in Europa (v.a. Ost-Europa).

Das Zahlenspiel «90-90-90» erklärt sich wie folgt: Bis 2020 sollen 90 Prozent der weltweit Infizierten wissen, dass sie krank sind. Von dieser Gruppe sollen sich gemäß Zielvorgabe 90 Prozent in Behandlung durch eine antiretrovirale Therapie (die sog. Tritherapie) befinden. Von dieser Gruppe wiederum sollen 90 Prozent eine bis auf unter die Nachweisgrenze reduzierte Virenlast haben; d.h. die Lebenserwartung dieser Personen hat sich fast «normalisiert», und sie sind nicht mehr ansteckend.

Werden diese Ziele erreicht, würde dies laut Projektionen bedeuten, dass 2020 73 Prozent aller weltweit Infizierten eine Virenlast unter der Nachweisgrenze aufweisen würden – zwei bis dreimal mehr als wenn man die aktuelle Entwicklung einfach weiterlaufen lassen würde.

35 Millionen Infizierte

Aktuelle Zahlen von UNAIDS sind Folgende: die Zahl der weltweit Infizierten wird auf 35 Millionen (Dez. 2013) geschätzt. 2013 gab es 2,1 Millionen Neu-Infektionen, und 1,5 Millionen Todesfälle. Im Juni 2014 nutzten 13,6 Millionen die Tritherapie.

35 Millionen ist eine Schätzung, Dunkelziffer einbegriffen; UNAIDS geht davon aus, dass davon ca. 19 Millionen wissen, dass sie krank sind. Das wären ungefähr 54 Prozent; der Weg bis zur ersten «90» im Zahlenspiel ist also noch ein weiter …

Der erste Ansatz ist demnach, die Dunkelziffer herabsetzen: mehr Testmöglichkeiten weltweit bereitstellen, billigere Tests, Prävention und Aufklärung, etc. Dann sind die benötigten Medikamente zum Teil noch sehr teuer, nicht überall in der Welt genügend verfügbar. «90-90-90 ist sehr ambitiös und breit angelegt; UNAIDS gibt Impulse, Hilfestellungen. Konkret passieren und umgesetzt werden muss das in den Ländern, oder auch in Gesprächen mit der Pharma-Industrie», so Marc Angel abschließend.