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EZB überschwemmt den Markt

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Die Preise im Euroraum sinken und die Konjunktur kommt nicht in Schwung. Die Notenbank legt nun nach. Sie legt ein umstrittenes Programm zum Kauf von Staatsanleihen auf.

Mario Draghi spielt seine letzte Karte. In der Dauerkrise im Euroraum wollen Europas Währungshüter nun mit milliardenschweren Anleihenkäufen das Ruder herumreißen. Einmal mehr begibt sich die Europäische Zentralbank (EZB) auf riskantes Terrain. Nach Nullzinsen, Strafzinsen und einer Flut billiger Notkredite bleiben Zweifel, ob Draghis Plan dieses Mal aufgehen wird.

An den Finanzmärkten haben die Anleger den erneute Notfalleinsatz der Zentralbank längst vorweggenommen. EZB-Präsident Draghi selbst hatte die Erwartungen angeheizt und den Rat der Notenbank unter Zugzwang gesetzt. Plötzlich hatte die EZB das Ziel, ihre Bilanz extrem aufzublähen – obwohl das später nur noch «Absicht» und nicht «Ziel» heißen durfte.

Schuldscheine über 6,5 Billionen

Experten jedenfalls war schnell klar: Das geht nur, wenn die Notenbank bei Staatsanleihen zugreift. EZB-Daten zufolge waren zuletzt staatliche Schuldscheine im Gesamtwert von rund 6,5 Billionen Euro im Umlauf, die den Anforderungen der Notenbank gerecht werden. Dazu zählen die Währungshüter auch griechische Anleihen – unter der Bedingung, dass das Land, das an diesem Sonntag erneut sein Parlament wählt, unter Aufsicht der internationalen Geldgeber bleibt. Wieder einmal wird gestritten, was die EZB darf und was nicht – schließlich ist ihr vorrangiges Ziel die Wahrung stabiler Preise.

Draghi räumte am Donnerstag ein, dass es bis zuletzt Widerstände im EZB-Rat gab. Allerdings sei das 25-köpfige Gremium einstimmig der Meinung, «dass es sich bei den Wertpapierkäufen um ein gewöhnliches Instrument der Geldpolitik handelt».

Verbraucher als Verlierer

Verlierer sind auch Verbraucher, die die jüngste Anti-Krisen-Maßnahme der EZB spätestens beim nächsten Urlaub außerhalb des Euroraums spüren dürften: Die Abwertung des Euro wird nach Einschätzung vieler Experten nun noch an Fahrt gewinnen. Das verteuert Reisen zum Beispiel nach Großbritannien, in die Schweiz oder in die USA.

Auf der anderen Seite hilft der vergleichsweise günstige Euro Exporteuren, ihre Waren außerhalb des Währungsraums zu verkaufen. Das könnte der Konjunktur insgesamt Schwung verleihen. Und auch die Finanzminister – nicht nur der Krisenstaaten – dürfen sich einmal mehr beim Italiener Draghi für eine ultralockere Geldpolitik bedanken, dank der sie günstiger neue Schulden aufnehmen können.

Die Skepsis ist groß

Angesichts dieser Gemengelage bleiben Kritiker skeptisch. Die Wachstumsschwäche im Euroraum sei nicht dadurch bedingt, dass Banken zu wenig Kredite vergeben. Sie sei verursacht durch strukturelle Probleme. Die Geldpolitik habe hier nur ganz begrenzte Möglichkeiten. Anleihenkäufe könnten zu Vermögenspreisblasen führen.

Die Erfahrungen der Notenbanken mit Anleihenkäufen sind höchst gegensätzlich: Während das QE-Programm in Japan versandete und gar politische Reformen ausbremste, erzielten Anleihenkäufe in den USA die erhoffte Wirkung: Die US-Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Allerdings finanzieren sich Unternehmen dort häufig direkt am Markt über eigene Anleihen, während sie sich in Europa vor allem bei Banken Geld besorgen.

Gegenseitige Haftung

Zumindest auf dem Papier haben die QE-Kritiker einen kleinen Sieg errungen: Nur für 20 Prozent der Anleihekäufe soll das Eurosystem gemeinsam haften. Dazu zählen Papiere von EU-Institutionen – etwa der Europäischen Investitionsbank – auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

Ob der Haftungsausschluss für den Rest am Ende des Tages greift, ist offen. Unicredit-Chefvolkswirt Erik F. Nielsen bezweifelt dies jedenfalls: «Die gegenseitige Haftung ist vertraglich festgelegt.» Hoffnungen, im Zweifelsfall nicht für die Verluste anderer nationaler Notenbanken gerade stehen zu müssen, seien eine Illusion.