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«Rosetta» enthüllt bizarre Landschaften

«Rosetta» enthüllt bizarre Landschaften

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Rund ein halbes Jahr nach der Zielankunft des europäischen Kometenjägers "Rosetta" tauchen Wissenschaftler immer tiefer in die Geheimnisse des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko ein.

Messdaten der «Rosetta»-Instrumente enthüllten unter anderem bizarre Landschaften auf dem winzigen Himmelskörper, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) am Donnerstag in Göttingen mitteilte. Der Tschuri oder kurz 67P genannte Komet weist zudem eine geringe Dichte auf und besitzt eine wärmeisolierende Schicht an seiner Oberfläche. Die Forscher zeichnen ihren aktuellen Kenntnisstand über Tschuri in einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift «Science» nach. Zu fünf von insgesamt sieben Artikeln des Fachmagazins über die «Rosetta»-Mission trugen MPS-Wissenschaftler demnach maßgeblich bei.

Die Sonde «Rosetta» hatte ihren Zielkometen am 6. August 2014 nach mehr als zehnjähriger Reise durch unser Sonnensystem erreicht und am 12. November ihre Landeeinheit «Philae» auf dem Himmelskörper abgesetzt. Im Zuge der spektakulären Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA gelang es Wissenschaftlern nun erstmals, die Dichte eines Kometenkerns direkt zu messen.

Dichte von Kork

Die Forscher ermittelten bei Tschuri einen Wert von 470 Kilogramm pro Kubikmeter – das entspricht in etwa der Dichte von Kork. «Wir gehen davon aus, dass der Komet aus Eis und Staub besteht, Materialien, die beide eine deutlich höhere Dichte aufweisen», erläuterte der Leiter des wissenschaftlichen «Rosetta»-Kamerasystems «Osiris», Holger Sierks vom MPS. «Der gemessene Wert lässt somit darauf schließen, dass der Komet eine Porosität von 70 bis 80 Prozent aufweist. Wir verstehen ihn derzeit als eine Art lockere Ansammlung von Eis- und Staub-Teilchen mit vielen, vielen Zwischenräumen.»

In den vergangenen Monaten lichtete «Osiris» bereits rund 70 Prozent der Oberfläche von Tschuri ab. Die aus den Daten erstellten Detailkarten zeigen laut MPS Landschaften, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Glatte Gebiete wechseln sich ab mit zerklüfteten und zerfurchten sowie solchen, die von einer möglicherweise meterdicken Staubschicht bedeckt sind. An manchen Stellen weist die Staubschicht Verwehungen und dünenartige Strukturen auf. «Fast erinnern die Bilder an solche, die man aus den Wüstenregionen der Erde kennt», erklärte Sierks.

Schlechter Wärmeleiter

Weitere Messdaten lassen den Angaben zufolge darauf schließen, dass die staubige Oberflächenschicht des Kometen zwar schnell auf Temperaturänderungen reagiert, Wärme jedoch ausgesprochen schlecht leitet. Die Staubschicht biete also offenbar eine Art Wärmeisolierung, die tiefer liegende Schichten des Kometen vor dem Einfluss der Sonne schütze. «Dies könnte erklären, warum 67P und andere Kometen, die ins innere Sonnensystem vordringen, so langlebig sind und viele Umläufe um die Sonne überstehen», unterstrich der MPS-Forscher Paul Hartogh.

Begleitet von «Rosetta» nähert sich Tschuri derzeit der Sonne, die er alle 6,45 Jahre einmal umkreist. Dabei wird der Komet durch die Sonnenwärme nach und nach aktiv. Was genau dabei auf dem Schweifstern passiert, werden die Messgeräte von «Rosetta» in den kommenden Monaten aufzeichnen. Tschuri gilt wie seine unzähligen Artgenossen als Überbleibsel aus der Entstehungszeit des Sonnensystems von 4,6 Milliarden Jahren.