Das Abkommen zwischen der Regierung und der katholischen Kirche über die Trennung von Kirche un Staat steht. Es wird am Montag unterzeichnet. Für die Kirche haben Erzbischof Jean-Claude Hollerich, Generalvikar Erny Gillen und Jean Ehret vom Centre Jean XXIII verhandelt. In einem «Wort»-Interview erklären sie, wie es zu dem Kompromis kam und wie die Kirche sich ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren verändern wird.
Der Erzbischof sagt, auch wenn Punkte im Abkommen stünden, die der Kirche «weh tun», könne er mit dem Resultat leben, weil es der Kirche erlaube in den kommenden 20 Jahren ihre Missionen zu erfüllen.
Im öffentlichen Raum
Die Verhandlungen seien am Anfang schwer gewesen, sie seien aber auch immer fair gewesen. Die Kiche habe nuneben eine andere Sichtweise, wie die Regierung: Religion sei keine Privatsache, sie spiele sich im öffentlichen Raum ab, so Hollerich. Gut findet der Chef der katholischen Kirch, dass durch das Abkommen das Signal ausgesendet wird, dass die Glaubensgemeinschaften eng zusammen arbeiten.
Hollerich betont auch, dass man sich bei vielen Fragen, darunter auch die der Kirchenfabriken nicht länger auf überholte Texte basieren könne. Die Tatsache, dass die Regierung sich in der Frage des Verhältnisses zwischen dem Staat und den Glaubensgemeinschaften bewegte, zwang die Kirche zum handeln. «Wir mussten uns neu definieren und neu aufstellen», so der Erzbischof im «Wort».
Das Referendum hat die Verhandlungen beschleunigt. Der Erzbischof ist zufrieden, dass die Finanzierungsfrage jetzt kein Thema der Volksbefragung mehr ist. Man hätte viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um den Leuten zu erklären, dass es dabei lediglich um Artikel 106 der Verfassung geht.
«Weniger Geld: Kein Problem»
Hollerich hat kein Problem damit, wenn die Kirche ärmer wird, solange man den Kultusdienern eine Perspektive bietet. Die Kirche beschäftigt in Luxemburg 293 Personen, darunter 107 Geistliche. Auch nach der Neuregelung werde man jedes Jahr die Finanzen offenlegen. Um einen finanziellen Engpass zu verhindern soll aber ein Reservefonds geschaffen werden, der mit Spenden gespeist werden soll. Das Vermögen der Kirchenfabriken soll auch in diesen unabhängigen Fonds fließen, erklärte Hollerich. Die Kirchenfabriken sollen aber bestehen bleiben, zumindest bis zum 1. April 2017.
Jean-Claude Hollerich weiß noch nicht, ob die Kirche alle Gebetshäuser halten kann. Das hänge von der Gemeinschaft ab. Wenn sie ihre Kirche nicht mehr will, werde sie aufgegeben, so Hollerich. Er kündigte an, dass bei der Wartung der Gotteshäuser gespart werden wird und ruft die Gläubigen zu mehr persönlichen Engagement für den Erhalt der Bauwerke auf.
Bedauernswertes Aus des Religionsunterrichts
Enttäuscht ist der Erzbischof jedoch über die Abschaffung des Religionsunterrichts. Er soll durch einen allgemeinen Werteunterricht ersetzt werden. In der Öffentlichkeit sorgte diese Ankündigung ebenfalls für die meiste Kritik. Der Religionsunterricht wurde bisher von etwa 330 Personen abgehalten. Es tröste ihn aber, dass in dem neuen Kursus über die Religionen gesprochen werden wird und dass der katholische Kultusrat bei der Gestaltung des neuen Unterrichts ein Wort mitreden soll.
Der Erzbischof weist den Vorwurf eines «Kuhhandels» aber enbtschieden zurück. Die Regierung habe die notwendige Mehrheit, um solche Sachen alleine zu beschließen. Innenminister Dan Kersch müsse nun ein Gesetzentwurf ausarbeiten, der die Vereinbarung umsetzt. Dort bestehe noch Spielraum, glauben die Kirchenvertreter.
Schließlich sieht Erzbischot Hollerich in dem Abkommen eine Chance. Man befinde sich in einer Zeit des Kulturwandels. Die Gläubigen müssten wieder enger zusammenrücken. Daraus entstehe eine lebendige und realistische Kirche. Er erhofft sich auch, dass durch diesen Kompromis die Kirche nicht mehr so oft angegriffen wird.
Zu Demaart
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