Die «gewaltigen Massen» an Bauschutt und Erdaushub, die deponiert werden müssen bzw. wiederverwertet werden, können auch beziffert werden: rund 9,2 Millionen Tonnen/Jahr in den Spitzenjahren 2007 und 2009. Die kommenden Zahlen (für 2013) werden im 2. Semester dieses Jahres vorliegen.
In diesen Zahlenspielen ist der Anteil an Erdaushub – d.h. wenn in den Boden gebaut wird – nicht unwichtig, denn er ist bei weitem der größte Batzen und stellt demnach das größte Problem dar.
Laut einer Studie des zuständigen Ministeriums im Jahr 2003, gemeinsam mit den im Sektor tätigen Akteuren erstellt, betrugen im Jahr 1999 die Anteile an der in Luxemburg angefallenen Menge an «déchets inertes» 11,6 Prozent für Bauschutt, 11,7 Prozent für Straßen-«Abfälle» sowie 76,7 Prozent für Erdaushub.
16,3
Tonnen pro Einwohner habe laut Eurostat 2010 das Luxemburger Pro-Kopf-Aufkommen an Erdaushub betragen. Die Nachbarn im selben Jahr zum Vergleich: Frankreich 2,7 Tonnen pro Kopf (Platz 2 der Statistik), Deutschland 1,2 (3.) und Belgien 0,2. D.h. Luxemburg lag meilenweit in Führung.
2000 lag dessen Anteil bei 83,4 Prozent, eine Schätzung für 2002 ging von 75,9 Prozent aus. Vergleichende Zahlen für die Nachbarländer lieferte Eurostat für das Jahr 2010, was das Journal in seiner Ausgabe vom 30. Dezember 2014 zu der Aussage verleitete, Luxemburg sei «Europameister in Sachen Erdaushub» und die «Produktion» davon sei «geradezu unanständig hoch».
Neue Projekte
Werden diese Erdmassen nicht wiederverwertet, müssen sie eben irgendwo gelagert werden. Wobei «irgendwo» in Luxemburg oft heißt «not in my backyard» (Nimby), so dass die Auswahl an möglichen Standorten für Deponien nicht unbedingt groß ist. Als im Januar 2006 das letzte «règlement grand-ducal» betreffend Bauschuttdeponien verabschiedet wurde, waren zehn in Betrieb. Vier davon sind voll. Aktuell sind weiterhin zehn in Betrieb. Als Monnerich wegen des Erdrutsches letztes Jahr ausfiel, wurde recht kurzfristig «Gadderscheier» (Gemeinde Sanem) im September 2014 in Betrieb genommen.
In Strassen, rechtsseitig neben der Autobahn A6 in Fahrtrichtung Luxemburg, wird derzeit am und neben dem Verteilerkreis der Auf-/Abfahrt Bridel eifrig gewerkelt, damit im kommenden April dort eine neue Deponie eröffnet werden kann.
Auf Bridel – diese Anlage der Firma Cloos ist gleichzeitig Steinbruch und Deponie – sieht es auch nach Erweiterung aus; hier wird aber lediglich am Verteilerkreis «Biirgerkräiz» ein neuer Zugang zur Anlage geschaffen, dies aus logistischen Gründen. Im Reglement von 2006 waren neun neue Projekte vorgesehen. Strassen und Monnerich wurden bereits erwähnt; Kleinbettingen und Capellen können nicht realisiert werden; Folschette ist genehmigt, der Zugang muss aber noch geplant werden; Bettemburg ist bereits voll; drei (Altwies, Brouch, Colmar-Berg) sind dabei, gefüllt zu werden, und funktionieren laut Ministeriumssprecher Olaf Münichsdorfer «ganz gut».
800 LKW
Was das heißt, konnte man im September 2014 am Beispiel Colmar-Berg erfahren: Zur damaligen offiziellen Einweihung war die Deponie schon ziemlich voll – 2012 eröffnet, wurde sie 2013 bereits erweitert. Für 200 Lkw am Tag geplant, steuerten in den Monaten nach dem Monnericher Erdrutsch sage und schreibe 800 Lkw täglich diese Deponie an! Laut dem Sprecher betrage die mittlere «Lebensdauer» einer Deponie ca. fünf Jahre. Davor liegen allerdings durchschnittlich sechs Jahre Planung. Eine neue Prozedur, um schneller vom «Bedarf» zur fertigen Deponie zu kommen, ist laut Münichsdorfer in Ausarbeitung.
Diese kurze Bestandsaufnahme, die nicht auf Nutzungsdetails verschiedener Deponien eingeht, zeigt, dass das Problem der jährlich anfallenden «déchets inertes» mindestens so gewaltig ist wie die ausgehobenen Erdmassen – und einer (möglichst schnellen) Lösung harrt.
Zu Demaart





















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