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«Welche zwei Prozent?»

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Am Samstag begann das Autofestival 2015. Wer nun geglaubt hatte, die Erhöhung der TVA würde von einem Neuwagenkauf abhalten, der hatte die Rechnung ohne den Luxemburger gemacht.

Eigentlich ist es das zweite Autofestival innerhalb von nur wenigen Monaten. Das erste im Herbst letzten Jahres trug wohl nicht diese Bezeichnung, doch der Andrang war aber „Festival-like“. Die Rede geht von den Herbstmonaten 2014, wo die Ankündigung einer Erhöhung der Mehrwertsteuer ab 1.1.2015 um zwei Prozent dafür sorgte, dass die Autoverkäufer sich nicht über Mangel an Arbeit beklagen konnten.

Viele Autofervente profitierten von den auf Lager stehenden Fahrzeugen der einzelnen Marken, denn hier waren wirklich Schnäppchen zu machen. So sprach man mancherorts von einem Zuwachs der Jahresendverkäufe um bis zu 15 Prozent gegenüber den Vorjahren. Die, die im September ein Fahrzeug bestellten, dieses aber erst nach dem 1. Januar 2015 angeliefert wurde, konnten natürlich nicht von dem zweiprozentigen Vorteil profitieren, denn für die Mehrwertsteuer zählt der Moment der Lieferung bzw. der Ausstellung der Rechnung. Außer sie haben eine hundertprozentige Anzahlung auf ihren Neuwagen vor dem 31. Dezember 2014 geleistet.

Preisnachlässe von 4.000 Euro

Wer nun geglaubt hatte, die Erhöhung der TVA würde die Kundschaft vom Festival und einem Neuwagenkauf abhalten, der hatte die Rechnung ohne den Luxemburger gemacht. „Welche zwei Prozent?“ gab mir ein Autoverkäufer am Sonntag verschmitzt lächelnd auf meine Frage zurück, wie die Kundschaft denn auf die zweiprozentige Erhöhung durch die Mehrwertsteuer reagieren würde. „Die Festivalpreise sind so günstig, dass fast keiner der Kunden über die Mehrwertsteuer spricht.“ In einem anderen Ausstellungsraum meinte der Filialleiter sogar, dass sich die Kundschaft bei Preisnachlässen von 4.000 Euro und mehr auf Mittelklassewagen keine Gedanken um eine erhöhte Steuer machen würde. Deshalb erhoffe er sich ein gutes Autofestival 2015.

So gemischt, wie die in Luxemburg angebotene Fahrzeugpalette ist, so gemischt waren am Sonntag aber auch die Gefühle und Erwartungen der Garagisten. „So optimistisch, wie der Kollege vor mir, bin ich beileibe nicht. Ich muss natürlich auch sagen, dass wir dieses Jahr in unserem Sortiment leider nur wenig Neuheiten haben, was im Laufe des Jahres aber ganz anders aussehen wird. Doch die meisten Kunden kaufen bei uns nicht auf Fotos von geplanten Neuwagen hin, sondern sie wollen das Auto in der Realität sehen, sie wollen es anfassen, sie wollen im Innern Platz nehmen, sie wollen es riechen.“

Der Direktor eines Autohauses mit gleich mehreren Marken meinte, dass das Autofestival in diesem Jahr eine ganz besondere Rolle spielen wird. „Während des Festivals können wir mit ganz interessanten Preisen locken, da uns das auch von Seiten der Hersteller ermöglicht wird. Wie es für den Rest des Jahres aussehen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Da wird der durch die TVA erhöhte Preis wohl oder übel für einen Rückgang der Verkaufszahlen sorgen. Doch lasst uns im Dezember darüber reden, jetzt ist erst einmal das Festival angesagt, was immer das erste richtige Wirtschaftsbarometer des Jahres ist.“

Nicht der gleiche Andrang

In vielen Garagen, die wir am Sonntag besucht haben, sprach man von einem weniger hohen Besucherandrang im Vergleich zum Vorjahr. Vielleicht hatten die winterlichen Wetterverhältnisse so manchen zu Hause an den Ofen gefesselt. „Ich sehe das so“, gab uns ein Autoverkäufer im Norden des Landes zu verstehen, „denn ich habe in den letzten Jahren längst nicht so viele Kunden an den Tagen vor Festivalbeginn in meinem Büro gesehen, als das in diesem Jahr der Fall war.“

Der Kunde sei heute längst nicht mehr der von früher. „Die Klientel sieht in der Presse Fotos und Erklärungen von neuen Fahrzeugen, sucht sich weitere Informationen im Netz, baut sogar dort sein ganz persönliches Autos des gewählten Fahrzeugstyps im Modell zusammen und kommt damit zum Autoverkäufer. In der Regel ist der Kunde heute bestens informiert, bevor er den Verkäufer trifft.“ Übrigens: das billigste Auto, das wir gestern gesehen haben, kostete 6.395 Euro; das teuerste Fahrzeug war mit 268.000 Euro angeschlagen, doch zu kaufen war es nicht, das es sich um ein Sammlerstück handelte.

Zahlen der Besucher vielversprechend

Wolfgang Bremm, CEO und Vertriebsdirektor bei Mercedes-Benz Luxemburg, unterstrich am Sonntag, dass die Klientel des „Sterns“ den Termin des Festivals voll und ganz wahrgenommen hat. „In unserer komplett neu gestalteten Vip-Lounge präsentieren wir den Besuchern ein wahres Feuerwerk an Neuheiten und das noch weit vor der offiziellen Eurpapremiere auf dem Autosalon in Genf. „Die Zahlen der Besucher und auch der Probefahrten sind sehr vielversprechend, was sich auch im Auftragsbuch widerspiegelt“, fügte Patrick Schmit, Verkaufsleiter im Bereich Pkw bei MB Luxembourg, hinzu.

Ernest Pirsch, Präsident der Fegarlux (Verband der Autohändler), gab sich uns gegenüber optimistisch. Er habe von den Kollegen gehört, dass die meisten am Samstag sehr viele Besucher in den Ausstellungsräumen gezählt haben. Am Sonntagmorgen sei es allgemein gesehen etwas ruhiger gewesen, was am Nachmittag aber schon nicht mehr der Fall war.

Zusammenfassend kann man zu diesem Moment keine klaren Prognosen für den Rest des Festivals, der bis zum 9. Februar dauert, machen. Man merkt den Hauptakteuren bei allem Enthusiasmus, den sie aussprühen, doch eine gewisse Nervosität an. Kein Wunder, wenn man weiß, dass für sie das Autofestival die Hälfte bis sogar zwei Drittel ihres Jahreseinkommens ausmachen kann.