Heute arbeiten rund 200 Forscher in den Räumlichkeiten des „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ LCBS in Esch-Belval. Sie haben in nur fünf Jahren Belval auf die Weltkarte der medizinischen Forschung gesetzt. Das war am Mittwochabend Grund zum Feiern.
Es war einmal … Die Gründungsgeschichte von „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ hat zweifellos etwas von einem modernen Märchen, in dem Professor Rudi Balling innerhalb von nur fünf Jahren vom einsamen Einzelkämpfer in einer bis dahin weitgehend unbekannten Disziplin zum Chef eines 200-köpfigen, interdisziplinären Forschungsteams wurde, das mit seinen Arbeiten über die Parkinson-Krankheit den Forschungsstandort Belval auf die Weltkarte gesetzt hat.
Menschliches Kapital
„Luxemburg muss auf Innovation und Entwicklung setzen. Da wir keine Rohstoffe haben, müssen wir in den menschlichen Reichtum investieren und vor allem auch daran glauben“, so Gesundheitsministerin Lydia Mutsch. Als vormalige Escher Bürgermeisterin und heutige Gesundheitsministerin ist sie gleich mehrfach in die Entwicklung und Entfaltung des Escher Wissensstandortes impliziert. „In unseren Kompetenzen liegt das Potenzial für die Zukunft“, unterstrich sie. Gleichzeitig sei es wichtig, in den heutigen, finanziell knappen Zeiten, dem Wähler in die Augen zu schauen. Die Forschung müsse, besonders im Bereich der Gesundheit, konkrete Antworten geben. Und die Politik müsse für die damit verbundenen hohen Investitionen geradestehen.
228 Millionen Euro steckt unser Land dieses Jahr in die Forschung. In Zukunft könnten es noch mehr sein. Um das vorgegebene Ziel von einem Prozent des BIP zu erreichen müsse Luxemburg jährlich nicht weniger als 350 Millionen Euro bereitstellen.
Diese Perspektiven sind zweifellos Musik in den Ohren von Professor Rudi Balling und seinem LCSB, das sich mit seinen 200 hochkarätigen Arbeitsplätzen als Wirtschaftsmotor für den Süden des Landes versteht. Mit seinen Arbeiten über die neurovegetativen Krankheiten Parkinson, und im geringeren Maße auch Alzheimer, Krebs und Diabetes, ist es aber auch ein Hoffnungsträger. „Gesundheitswirtschaft ist ein Wachstumsgebiet“, bringt er es auf den Punkt und knüpft die aktuellen Arbeiten an die Luxemburger Erfolge in der Stahlindustrie und im Finanzwesen an.
Keine Insel der Forscher
Auf seinen Status als Pionier in den Räumlichkeiten der künftigen Wissensstadt Belval – er ist vor drei Jahren als Erster nach Belval gezogen – ist Professor Balling besonders stolz. Belval sei jedoch keine Insel der Forscher, kein Ghetto, von dem die Escher ausgeschlossen seien, unterstreicht er.
Er sei deshalb zu jeder Zeit bereit, den Bewohnern zu zeigen, dass „auch die Forschungszentren nur mit Wasser kochen“, sagt er mit dem unkomplizierten Charme, der einen großen Teil seines Charismas ausmacht. Primärschulen und Sekundarschüler, Rotarier und „Lions“ sind im LCSB gleichermaßen willkommen.
Umgekehrt hält er aber auch die Forscher seines Institutes an, sich mit der Stadt Esch zu identifizieren. Der erste „Betriebsausflug“ der Forschungsstätte nach dem Umzug im September 2011 war deshalb eine Schnitzeljagd durch die Stadt, bei der die internationale Gemeinschaft viele überraschende Aspekte der Südgemeinde entdeckte.
International vernetzt
Das LCSB ist aber auch kein Selbstzweck. Wichtig für seine Entwicklung ist seine Einbindung in internationale Netzwerke, allen voran die Zusammenarbeit mit dem „Institute for Systems Biology in Seattle“ die im Dezember 2008 angefangen hat. Es ist die Verzahnung von experimenteller Biologie mit dem effizienten Einsatz von Hochleistungsrechnern, die es dem Zentrum ermöglicht hat, eine internationale Position in System-Biomedizin zu erlangen und mehr als 30 Millionen Euro Drittmittel einzuwerben.
Am Herzen liegt Professor Balling – der einer der Verfechter einer nationalen School of Medicine ist – auch die Zusammenarbeit mit den lokalen Krankenhäusern.
Mit einem konkreten Beispiel, der Entdeckung durch den Luxemburger Forscher Dr. Alessandro Michelucci eines Antibiotikums, das das menschliche Gehirn bei Entzündungen selbst produzieren kann, mit einer Diskussionsrunde zwischen Doktoranden – das Institut bildet zurzeit 48 Doktoranden aus 20 Nationen aus – und einer musikalischen Darbietung, die ebenfalls von zwei Mitgliedern des LCBS, Dr. Anna Heintz-Buchart (Violine) und Dr. Emilie Muller (Harfe) bestritten wurde, endete die Geburtstagsfeier, die auf ausdrücklichen Wunsch des Direktors in Esch stattfand. Wobei der Rathausaal mit rund 200 Gästen bis auf den allerletzten Platz besetzt war.
Zu Demaart
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