Der SIM-Karten-Spezialist Gemalto glaubt nicht, dass es den Geheimdiensten NSA und GCHQ gelungen ist, bei ihm Verschlüsselungscodes für den Handy-Betrieb zu stehlen. Das hatten Snowden-Papiere nahegelegt, die vergangene Woche von der Website «The Intercept» veröffentlicht worden waren. Gemalto hatte nach dem Bericht eine Untersuchung eingeleitet.
Die Prüfung habe gezeigt, dass es höchstwahrscheinlich tatsächlich eine Cyberattacke der Geheimdienste gegeben habe, erklärte Gemalto am Mittwoch. Bei diesen Angriffen sei allerdings in nur das Büro-Netz von Gemalto eingebrochen worden «und sie hätten nicht zu einem massiven Diebstahl von SIM-Schlüsseln führen können», hieß es. In der SIM-Infrastruktur sowie den abgetrennten Bereichen, in denen Daten für Bankkarten oder elektronische Dokumente verarbeitet werden, sei kein Eindringen festgestellt worden.
Bedenken in Luxemburg
Nach der Meldung über gestohlene SIM-Schlüssel vor fünf Tagen hatten auch in Luxemburg einige Politiker ihre Bedenken geäußert. So wollte der CSV-Parlamentarier Laurent Mosar vom Kommunikationsminister, dem Justizminister und dem Wirtschaftsminister wissen, ob auch Luxemburger SIM-Karten ausspioniert wurden. Der Abgeordnete erinnerte auch daran, dass das angeblich sichere Bezahlsystem Luxtrust Material von Gemalto benutzt werde. Auch die Piratenpartei machte sich Sorgen. Gemalto stellt neben SIM-Karten und Luxtrust-Komponeneten auch Chips für Kredit- und Bankkarten her.
Mit den Schlüsseln der Handy-SIM-Karten könnte man Telefongespräche im weit verbreiteten GSM-Netz belauschen, auch wenn dabei moderne abhörsichere Standards wie LTE eingesetzt werden.
Zu Demaart
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