Der «Brexit» – ein Kunstwort aus Briten und Exit, also Austritt – käme Großbritannien einer Studie zufolge teuer zu stehen. Das Bruttoinlandsprodukt könne bis ins Jahr 2030 um bis zu 14 Prozent oder 313 Milliarden Euro niedriger ausfallen als bei einem EU-Verbleib, lautet das Fazit einer am Montag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und des Ifo-Instituts.
Aber nicht nur Großbritannien, auch andere EU-Länder müssten bei einem Austritt der Briten aus der EU mit teils hohen Einbußen rechnen. Zu den Ländern, die in Europa durch einen «Brexit» überdurchschnittliche hohe Einbußen verzeichnen müssten, gehören allen voran Irland gefolgt von Luxemburg, Belgien, Schweden, Malta und Zypern. Neben den ökonomischen Wachstumsverlusten müssten sich die verbleibenden EU-Staaten auf zusätzliche Mehrausgaben für den EU-Haushalt einstellen.
Wie die Schweiz
Wie heftig der «Brexit» die britische Wirtschaft träfe, hinge vom Ausmaß der Abschottung nach einem Austritt ab, schreiben die Wissenschaftler. Im besten Falle hätte Großbritannien einen ähnlichen Status wie die Schweiz, im ungünstigsten Fall dagegen gar keine Handelsprivilegien mehr. Die Studie geht davon aus, dass nach einem möglichen Austritt im Jahr 2018 etwa 12 Jahre später, also 2030, die Folgen voll spürbar würden. Je nach Szenario könnte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner dann zwischen 0,6 und 3 Prozent geringer ausfallen, als es ohne «Brexit» der Fall wäre.
Andere Studien, etwa der London School of Economics, kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Manche Wissenschaftler sind aber optimistischer. Die britische Parlamentswahl am 7. Mai könnte die Weichen dafür stellen, wie es mit Großbritannien und der EU weitergeht. Der konservative Premierminister David Cameron hat ein Referendum über den Austritt für Ende 2017 versprochen. Sein Herausforderer von der Labour-Partei, Ed Miliband, spricht sich deutlich gegen den Austritt aus.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können