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«Appellation d’Origine Protegée» soll es richten

«Appellation d’Origine Protegée» soll es richten
(Isabella Finzi)

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Die Frühjahrsmesse steht vor der Tür - gerade der richtige Zeitpunkt, um das neue Label zu präsentieren. Man setzt beim Gütesiegel auf mehr Ursprung.

Bei der Präsentation des neuen Gütesiegels am Dienstag im Remicher «Institut Vini-Viticole» ließ es sich Weinbauminister Fernand Etgen nicht nehmen auf etwas Grundsätzliches hinzuweisen: «Wohlverstanden: Der Wein ist nicht neu erfunden worden, sondern mit der ‚AOP‘ wird er besser geschützt». Nicht nur die Umsetzung der EU-Direktive sondern auch das Zahlenmaterial haben das nahe gelegt.

Zwischen 1994 und 2014 hat sich der Weinkonsum in Luxemburg nicht nach oben entwickelt. Er stagniert, wobei im gleichen Zeitraum der Konsum an ausländischen Weinen zugenommen hat. Weniger Einwohner in Luxemburg griffen im Regal zu einheimischem Wein. Aktuell hat sich der Verzehr von luxemburgischem Wein bei 10,7 Liter pro Jahr pro Einwohner eingependelt. 1990 lag er fast drei mal so hoch und noch bei 29 Litern pro Jahr pro Einwohner. Das zumindest zeigen die Zahlen des Institut Vini-Viticole. Der einzige „Ausreißer“ aus dieser Entwicklung ist der Crémant, dessen Verkaufszahlen sich nach oben entwickeln.

Neue Vertriebswege

Als Gründe für diese Entwicklung werden hauptsächlich eine gewachsene ausländische Bevölkerung im Land mit anderen Trinkgewohnheiten und die vergleichsweise «kleinen» Ernten der Jahre 2012 und 2013 angeführt. Die Keller waren leer. Wie auch immer. Mit den Worten «wir mussten angesichts der Trends reagieren», fasste Institutsdirektor Roby Ley die Motivation für das neue Label zusammen. Gemeint ist damit wohl auch, eine Korrektur der alten Vertriebswege.

50 Prozent der hiesigen Produktion werden exportiert, Belgien ist traditionell immer noch Hauptabnehmer. Das soll so nicht bleiben. Auch der Minister hat in puncto Absatz die Großregion im Auge. Nicht nur er. Erny Schumacher, Präsident der «Privatwenzer» ist gerade mit einer Feststellung von der Saarmesse zurück. «Im Saarland werden überwiegend Elsässer Weine getrunken». Auch wenn 80 Prozent der Selbstvermarkter nur wenig bis gar nicht exportieren, Schumacher lässt durchblicken, dass da noch «Potential» für den luxemburgischen Wein nach oben ist.

Limitiert und rangiert

Die Ernte 2014, mit 124.200 Hektolitern eine Lese im Normbereich, ist die erste nach der «Appellation d’Origine Protegée». Der Boden auf dem der Wein wächst und die Art und Weise, wie der Winzer seinen Wein bearbeitet, sind die Kriterien für Qualität. Der Ertrag pro Hektar Weinberg wurde entschieden reglementiert und folgt dem Prinzip «Klasse statt Masse». «Coteaux de»- und «Lieu-dit»-Weine entsprechen dem «Grand Premier Cru».

Ihre Hersteller dürfen dem Hektar Weinberg nicht mehr wie 75 Hektoliter Wein abringen. «Coteaux de»-Weine wurden aus Verschnitten verschiedener Parzellen der gleichen Rebsorte hergestellt und gelten als Premiumweine. «Lieu-dit» Wein stammt aus einer genau abgegrenzten Lage, ist limitiert und rangiert an der Spitze der verfügbaren Weine. Weine mit einem Produktionsertrag zwischen 75 und 100 Hektolitern pro Hektar Weinberg können mit der «Cotes de»-Bezeichnung ausgezeichnet werden und stellen die Gruppe der «harmonischen Einsteigerweine» dar.

«Moselvine from California»

Mit «AOP» ist die ursprüngliche Befürchtung der hiesigen Weinwelt, es könnte irgendwann «Moselvine from California» in den Verkauf gelangen, ausgehebelt. Der erste Entwurf der EU-Direktive, die eine Stärkung des Handels und nicht des Weinbaus vorsah, hätte dies zugelassen. Das andere da weniger Hemmungen im Umgang mit Kulturgut haben, zeigt ein Beispiel.

Der «Chandon» mit dem Vermerk «Methode traditionelle» auf dem Etikett aus dem amerikanischen Ableger des Hauses «Moet et Chandon» ist «Champagne from California». Luxemburg dagegen will «Le petit pays des grands vins» bleiben und das entsprechend vermarkten.

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