Der Prozess gegen die Laotin Brigitte D. und ihre brasilianische Freundin Tania M., denen der Auftragsmord am Luxemburger Henri Z. vorgeworfen wird, der am 25. Oktober 2011 in Porto Seguro im Bundesstaat Bahia in Brasilien mit fünf Schüssen in den Kopf regelrecht hingerichtet wurde, ging am Montag in die dritte Woche.
Eingangs ging die Rede vom regen Briefverkehr zwischen den beiden Angeklagten, die ihre Aussagen vor der U-Richterin abstimmten. Darin meinte Tania M. an die Adresse von Brigitte D., schliesslich würden sie lebenslänglich riskieren und wenn sie sich einig wären, könnten sie sich mit den Anwaltsgebühren eine Kreuzfahrt leisten.
Zahlreiche Frauengeschichten
Danach trat die vorherige Ehefrau von Henri Z. in den Zeugenstand, die von 1999 bis 2011 mit ihm verheiratet war. Die Ehe mit ihm sei normal angelaufen, bis sich herausstellte, dass er zahlreiche Frauengeschichten hatte und leidenschaftlich im Rotlichtmilieu unterwegs war. Gewalttätig gegen sie war er auch. Er habe ihr das Leben zur Hölle gemacht. «Ech war frou, wéi ech em lass war!»
Es gab dann noch einige Fragen um das genaue Datum der Scheidung, welche die Zeugin spontan auf den 4. Februar 2012 datierte, was aber wohl nicht stimmen kann, denn ansonsten wäre sie erbberechtigt gewesen und Brigitte D. sei leer ausgegangen was wohl der Knüller in diesem Prozess gewesen wäre.
Ein Kaffeekränzchen
Ein weiterer Zeuge sagte aus, er sei ein guter Freund von Henri Z. gewesen, mit dem er die Liebe zum Bergwandern teilte. Er hatte ihn über seinen Sohn kennengelernt, der unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Der Zeuge war während der Episode mit Brigitte D. sechs Monate in einer Therapie im Ausland und konnte außer einem Kaffeekränzchen nur Belangloses berichten.
Der Vorsitzende wollte mit einem äusserst suggestiven Aufzählung der brasilianischen Vorfälle trotzdem vom therapierten Zeugen wissen, wie er das Verhalten des Opfers einschätze, worauf dieser gefügig antwortete, es sei nicht der Henri Z. gewesen, den er kannte. Er selbst hätte sich nach dem ersten Überfall ins Flugzeug gesetzt und nach Hause geflogen, so der Zeuge.
Der nächste Zeuge war bis 1992 mit Brigitte D. verheiratet. Damals verließ er sie für eine Jüngere und hatte keinen Kontakt mehr mit ihr bis sie nach dem Tod von Henri Z. inhaftiert wurde. Es folgte dann ein Loblied auf seine frühere Ehefrau, die eine außergewöhnliche Frau sei. Sie habe es verdient, dass er für sie aussagt.
Teilgeständnis von Tania M.
Nach der Pause traten dann die beiden Angeklagten in die Schranken. Der Vorsitzende fragte Tania M., warum sie gelogen hat: «Ich wollte meinen Sohn schützen!» Brigitte D. habe alle manipuliert. Ihr Sohn soll nicht «für die da» allein den Kopf hinhalten, obwohl beide mit anderen Männern Henri Z. umbrachten, so Tania M. unter Tränen.
Sie sei unschuldig und wollte von ihrem Sohn nicht einmal wissen, wer die zwei Komplizen waren, die jeweils 10.000 Euro einsteckten. Und dann an die Adresse von Brigitte D.: «Du hast kein Herz! Du bist ein Monster!» Ein Rotlichtkunde habe sie vor den Konsequenzen ihrer Tat gewarnt, so das Ende einer endlosen Geschichte.
Gegenüber Brigitte D. meinte ein resoluter Vorsitzender, dass sie eine Lügnerin sei und als einzige Erbberechtigte alle Fäden in der Hand hielt, um die Mörder ihres Ehemanns zu entlohnen. Sie könne jedenfalls nicht die Schuld an ihre geständige Freundin weitergeben. Trotzdem redete sie sich noch einige Minuten um Kopf und Kragen.
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.
Wurde das Opfer zum Tatort gefahren?
Zu Demaart
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