Alle Wirtschaftssektoren sind am Wachsen, schreibt die Luxemburger Zentralbank BCL in ihrem «Bulletin 2015-1». Das habe es bereits seit mehreren Jahren nicht mehr gegeben.
Diese positive Entwicklung begründet die BCL vor allem mit der verbesserten Wirtschaftslage in Europa und der Welt. Zudem habe die europäische Geldpolitik die Finanzmärkte beflügelt, was positive Konsequenzen für das Geschäft am Finanzplatz hat. So ist das Volumen der Gelder, die von Luxemburger Investmentfonds verwaltet werden, auf über 3.600 Milliarden Euro angestiegen.
Die Prognose für das Luxemburger Wirtschaftswachstum in diesem Jahr hat die BCL nun deutlich auf zwischen 3,5 und 4,3 Prozent erhöht. Statec rechnet mit 3,7 Prozent Zuwachs in diesem Jahr. Der Zentralbank zufolge würde das Wachstum in 2015 vor allem durch die Exporte von Gütern und Dienstleistungen angetrieben. Die Binnennachfrage würde die Konjunktur – trotz des Anstiegs der Beschäftigung – nicht weiter ankurbeln. Die Haushalte hätten zuerst den durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer entstandenen Kaufkraftverlust zu verdauen. Auch für die folgenden zwei Jahre ist die BCL optimistisch: 2016 rechnet sie mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung um vier Prozent und 2017 mit 3,8 Prozent. Den Optimismus begründet sie mit der allgemeinen Verbesserung der internationalen Konjunktur seit dem Ende des Jahres 2014.
Die Zentralbank bedauert jedoch, dass sie nur unvollständige BIP-Daten zur Verfügung hat, um ihre Prognosen zu erstellen. Statec hat nämlich noch keine festen Zahlen zum Wirtschaftswachstum im letzten Quartal 2014 veröffentlicht.
Indextranche kommt erst Anfang 2016
Die Inflationsrate, die zum Jahreswechsel in Luxemburg negativ war, hat im Mai wieder auf 0,7 Prozent zugelegt. Die BCL ist überzeugt, dass die Preise in 2015 insgesamt weiter nur langsam anstiegen, um im kommenden Jahr wieder bei 1,8 Prozent zu liegen.
Als Folge der derzeit niedrigen Preissteigerungsrate soll die nächste Indextranche erst Anfang 2016 fällig werden. Bisher war der Moment der Auszahlung auf Ende 2015 geschätzt worden. Es würden demnach fast 2,5 Jahre zwischen der Auszahlung der letzten und der nächsten Indextranche liegen, schreibt die BCL. Eine derart lange Zeitspanne wurde „seit der Einführung der Gemeinschaftswährung in 1999 nicht mehr beobachtet“.
Ziel des Index ist es, Lohnempfänger für die durch die Inflation verursachte Geldentwertung zu entschädigen.
Was die Entwicklung der Staatsfinanzen anbelangt, so schreibt die BCL, dass das Haushaltssaldo 2014 bei 0,6 Prozent lag. Für 2015 rechnet die BCL hingegen mit einem Defizit von 0,2 Prozent des BIP. Dies begründet die Zentralbank mit einem Einbruch der Einnahmen aus dem elektronischen Handel, welcher nur teilweise von den staatlichen Sparmaßnahmen kompensiert würde. Ab 2016 rechnet die BCL dann wieder mit einem Haushaltsüberschuss.
Die Zentralbank warnt aber, dass sich ihre Prognosen auf eine erwartete positive Entwicklung der Konjunktur in der Eurozone und an den Finanzmärkten basieren.
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