Im Jahre 2006 forderte das europäische Parlament, mittels einer Resolution, die Verankerung der Prinzipien des Freien Handels (FT) in allen Politikbereichen, erinnerte Jean-Louis Zeien von „Fairtrade Lëtzebuerg“ im Rahmen der gestrigen Pressekonferenz. Drei Jahre später habe die EU-Kommission dies bestätigt. Sie sehe den fairen Handel als Teil einer nachhaltigen Entwicklung. Mittels einer weiteren Stellungnahme „forderte der ‚Comité européen des régions'(CDR) dies nun Anfang Juni ein“, so Jean-Louis Zeien.
„Europaweit gibt es mehr als 1.600 FT-zertifizierte Gemeinden“, so Marc Schaefer, Präsident der Luxemburger Delegation beim CDR. Davon allein 200 in Luxemburg. „Es handelt sich um ein ideales Thema, um auf lokaler Ebene zu starten“, so der Bürgermeister von Vianden, der auch Mitglied im Staatsrat ist, weiter. „Die lokalen Gebietskörperschaften spielen hier eine wichtige Rolle.“
Als Vorzeigebeispiel erwähnte er die Kooperation zwischen Luxemburg-Stadt, Metz, Trier und Saarbrücken, die sich unter dem Motto „QuattroFair“ für das Thema starkmachen.
Um als Gemeinde eine FT-Zertifizierung zu erhalten, muss sie mehrere Bedingungen erfüllen, erläuterte Zeien. So muss der Gemeinderat ganz offiziell die politische Entscheidung treffen, sich für das Thema einzusetzen und fair einzukaufen. Zudem muss die Gemeinde eine Aktionsgruppe aufstellen, die mit Aktionen in Schulen, Krankenhäusern, oder bei Vereinen und Geschäften, das Thema FT sichtbarer macht. Dann muss ein jährlicher Bericht erstellt werden, auf dessen Grundlage die Zertifizierung um ein weiteres Jahr erneuert werden kann.
„Eine positive Diskriminierung“
Das FT-Bewusstsein müsse von unten nach oben gestärkt werden, so Schaefer. Etwa wie heute jeder Hotelkunde, wenn er umweltbewusst ist, die Handtücher auch mehr als nur einen Tag benutzen kann. „Beim Thema Umwelt haben die Menschen sich daran gewöhnt“, so Marc Schaefer. Das wolle man nun mit FT wiederholen – angefangen bei den Kindern in den Gemeinden.
Eine gemeinsame Strategie sei vonnöten, da zwar „50 Prozent der EU-Bürger mit dem FT-Label vertraut sind“, es aber riesige Unterschiede zwischen den Ländern gebe, so Marc Schaefer weiter. Vor allem im Osten des Kontinents gebe es noch großes Aufholpotenzial. Als sehr ermutigend sieht er die Tatsache, dass Umfragen zufolge „die Hälfte der EU-Bürger bereit sind, mehr für ein FT-Produkt zu bezahlen“.
Mit gutem Beispiel vorangehen
Ein weiterer Wunsch des CDR ist, „eine positive Diskriminierung für FT-Produkte bei öffentlichen Ausschreibungen“ umzusetzen, so Schaefer weiter. „Der Preis darf nicht das einzige Kriterium sein.“ Die EU-Institutionen müssen mit dem guten Beispiel vorangehen, fordert Zeien. Aber auch in den künftigen Ausschreibungen des Luxemburger Staates müssten diese Kriterien eingebaut werden. Das Land müsse die EU-Direktive von 2014, die das ermöglicht, jedoch noch in nationales Recht umsetzen.
Eine weitere Idee, um das FT-Bewusstsein langfristig zu stärken, sei die Einführung einer jährlichen FT-Hauptstadt – ähnlich wie die europäische Kulturhauptstadt.
Dabei „sind wir in Luxemburg bereits einen weiten Weg gegangen“, unterstreicht Zeien. „Hierzulande kennen 81 Prozent der Bevölkerung das FT-Label.“ Im Schnitt gebe jeder Luxemburger 20 Euro im Jahr für faire Produkte aus. „Das ist zwar noch mehr möglich“, so Zeien. „Weltweit liegen wir aber bereits auf dem fünften Platz.“
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