Seit Anfang Mai zirkuliert auch in Luxemburg ein Kettenbrief, indem vor allem Firmen, Organisationen und Krankenhäuser aufgefordert werden, sich an einer Aktion eines angeblich krebskranken Jungen in Österreich zu beteiligen. Das Kind wolle mit der weltgrößten Adressensammlung ins Buch der Rekorde kommen, heißt es. Der Brief ging an etwa 100 Adressen in Luxemburg. Und auch zahlreiche Firmen, Behörden und Privatleute in Trier haben ihn erhalten.
Das Universitätsklinikum Tulln in Niederösterreich, wo das Kind behandelt werden soll, dementiert jedoch regelmäßig, etwas über einen siebenjährigen krebskranken Buben zu wissen. Die hinter diesem Kettenbrief stehenden Motive seien nicht bekannt. Der Fall sei aber bereits bei den Spam- und Betrugsexperten der TU Berlin aktenkundig. Personen oder Firmen, die den Kettenbrief erhalten, sollen diesen nicht beantworten oder weiterleiten, rät das Klinikum.
Namhafte Unternehmen fielen darauf rein
Die Technische Universität in Berlin (TU) erklärt seinerseits auf seiner Internetseite, dass der Kettenbrief schon seit über vierzehn Jahren kursiere per E-Mail, Fax und Briefpost. Viele Behörden und namhafte Unternehmen seien bereits auf den Hoax hereingefallen und hätten den Kettenbrief an zehn neue Adressen weitergeleitet. Sie hätten des Weiteren diese Adressen nach Tulln gemeldet. Sogar das deutsche Bundesverfassungsgericht habe den Kettenbrief vor etwa acht Jahren weitergeleitet.
Das Universitätsklinikum Tulln erhält an Spitzentagen bis zu 100 Briefe, wird von der Klinikverwaltung betont. Seitdem dieser Kettenbrief zirkuliert, seien in Tulln eine bis zwei Personen mehrere Stunden täglich mit der Bearbeitung dieser Zusendungen (50 bis 100 täglich) beschäftigt. Sie ist eigenen Angaben zufolge «schwer genervt» von der Affäre, die kein Ende zu nehmen scheint.
Der Fall Shergold
Laut Medienberichten beschlossen die Verantwortlichen des «Guinness Book of World Records», solche Rekorde nicht mehr anzunehmen. Der Grund: Eine ähnliche Geschichte, die sich verselbstständigt hat. 1989 wurde eine Postkarten-Aktion für den damals 9-jährigen Craig Shergold gestartet, der an einem angeblich unheilbaren Hirntumor erkrankt war. Er sollte durch die Zahl der Postkarten mit Genesungswünschen ins Guinness-Buch der Rekorde kommen. Innerhalb eines Jahres kamen 16 Mio. Postkarten an und er bekam den Eintrag (Ausgabe 1991). Mit 33 Millionen Karten erhielt Craig 1990 erneut einen Rekord-Eintrag. Die Karten kamen jedoch weiterhin bei ihm an.
Durch die Aktion wurde ein wohlhabender Amerikaner, John Kluge, auf den Fall aufmerksam. Er bezahlte den Kind die Operation. Craig Shergold wurde geheilt. Aber auch nach der Genesung des Kindes strömten die Postkarten weiter. 1998 waren es über 250 Millionen. Auch nach dem Umzug der Familie gingen weiter massenhaft Postkarten an der ehemaligen Adresse ein. Es wurde daraufhin extra eine Postleitzahl für die Sendungen eingeführt. 2007 überschritt man die 350 Millionen Karten-Marke. Craig ist heute Mitte dreissig, gesund, erhält aber immer noch Genesungs-Post – und will, dass es endlich aufhört.
Es kursieren noch andere solche Kettenbriefe mit Namen wie Brian, Jessica Mydek, Amy Bruce, Rachel, Natalie, usw… warnt die TU in Berlin.
Zu Demaart
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