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«Ihr habt jetzt genau neun Minuten Zeit»

«Ihr habt jetzt genau neun Minuten Zeit»
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Das Foto des ertrunkenen dreijährigen Flüchtlingsjungen Ailan löste weltweit Bestürzung aus. Ein hasserfüllter Facebook-Post hat für den Verfasser jetzt schwere Konsequenzen.

Das Bild des syrischen Jungen Ailan, der auf dem Weg nach Griechenland ertrunken ist, rüttelte die Menschen in Europa auf und verstärkte die Solidaritätswelle für die Flüchtlinge massiv. Einer sah das anders: ein 26-jähriger Deutscher aus Berlin postete auf der Facebook-Seite «Berlin wehrt sich» diesen Text: «Wir TRAUERN NICHT sondern wir FEIERN ES! Nur ein Flüchtling, ein Flüchtling ist zu wenig: Das Meer hat schon mehr Flüchtlinge geschluckt!» Dieser Post hat für ihn nun schwerwiegende Konsequenzen

Wegen der Hass-Nachricht über das ertrunkene Flüchtlingskind auf Facebook ermittelt jetzt der Berliner Staatsschutz. Beamte durchsuchten am Wochenende die Wohnung des Mannes in Berlin. Der polizeibekannte 26 Jahre alte Bewohner soll den Tod des Dreijährigen mit drastischen Worten verunglimpft und damit seine Menschenwürde herabgesetzt haben. Nach Polizeiangaben könnte er dafür ins Gefängnis kommen.

«Hohlkopf-Seite»

Ärger hatte sich der Mann auch mit der «Berliner Zeitung» eingefangen. Weil auf der Facebook-Seite «Berlin wehrt sich» Artikel der Zeitung geteilt wurden, droht Chefredakteur Peter Huth: «Ihr habt jetzt genau neun Minuten Zeit, diesen und alle anderen BZ-Links von eurer Hohlkopf-Seite zu nehmen, um exakt 17.30 Uhr schicke ich Euch alles auf den Hals, was wir an Anwälten zu bieten haben und das sind auf jeden Fall mehr als ihr Gehirnzellen habt.»

Der leblose Körper von Aylan war am Mittwoch an einen Strand im türkischen Bodrum gespült worden. Das Foto des toten Kindes löste international Bestürzung aus. Die Ermittler stellten in Berlin einen Computer und zwei Mobiltelefone sicher. Sie würden nun ausgewertet, sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag.

Zu der Nachricht hatte die Polizei mehr als 100 Anzeigen erhalten. Inzwischen hat Facebook das Posting gelöscht. Auch in dem sozialen Netzwerk hatten Nutzer es wegen seines verachtenden Inhalts gemeldet. Laut «B.Z.» (Sonntag) ist der Beschuldigte selbst Vater eines einjährigen Sohnes.

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