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Konsulin verkauft Boote an Flüchtlinge

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Eine französische Honorarkonsulin in der Türkei hat Boote an Flüchtlinge zur Überquerung des Mittelmeeres verkauft.

Wer macht das Geschäft mit den Flüchtlingen im Mittelmeer? Der französische Fernsehsender France 2 ging der Frage nach und machte Entdeckungen, die personelle Konsequenzen in der französischen Diplomatie zur Folge hatten. Fernsehreporter Franck Genauzeau machte sich in der Türkei auf die Suche nach denen, die Flüchtlingen die Boote zur Überfahrt von der Türkei nach Griechenland verkaufen. Die Reportage mit dem, was er entdeckt hatte, lief am Freitag Abend bei France 2 und löste einen Proteststurm aus.

Genauzeau ging in einem Vorort von Bodrum mit versteckter Kamera auf die Suche. Bodrum ist der Ort, an dessen Strand die Leiche des dreijährigen Aylan, seines älteren Bruders und seiner Mutter gefunden wurden. Der Fernsehreporter stieß auf das Wassersportzentrum Marina Plaza, vor dem eine französische Flagge wehte. Im Laden fand er Schlauchboote in allen Größenordnungen. Das billigste, nicht für das Meer geeignet, kostet 500 Euro.

«Das tun alle»

Sie sei sich durchaus bewusst, dass sie sich mit dem Verkauf von Booten am Schlepper- und Flüchtlingsbusiness beteilige, sagte die Besitzerin des Wassersportmarktes, Francoise Olcay, Honorarkonsulin Frankreichs in Bodrum. Aber das täten alle in Bodrum, der Bürgermeister, die Hafenaufsicht, sogar der Präfekt der Region und fügte an, „wenn wir das Geschäft nicht machen, macht es ein anderer“. „Natürlich machen wir uns mit schuldig“, erklärte die mit einem türkischen Geschäftsmann verheiratete Französin aber auch.

Das französische Außenministerium reagierte unmittelbar. Über das türkische Generalkonsulat in Istanbul wurde die Honorarkonsulin mit sofortiger Wirkung von ihrem Amt suspendiert. Francoise Olcay übte die ehrenamtliche Tätigkeit des Honorarkonsuls seit 2014 in Bodrum aus.

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