Wenn man im Ausland fragt, «woran denken Sie, wenn Sie Luxemburg hören?», bekommt man oft «ein Finanzplatz» oder gar «eine Steueroase» zu hören. Die Luxemburger Agenturen zur Förderung des Finanzplatzes (Luxembourg for finance) und des Wirtschaftsstandortes (Luxembourg for business) haben deshalb jetzt einen Werbefilm produzieren lassen, in dem sie erklären, dass das Land viel mehr sei, als nur ein purer Finanzplatz. Durch dieses Video soll Imagepflege betrieben werden und die Vorzüge des Wirtschaftsstandortes aufgezeichnet werden.
In dem Kurzfillm wird freilich betont, dass der Finanzplatz eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes spielt. Er zeichnet für 25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich. Es gebe aber andere Aktivitätsbereiche, wo das Großherzogtum glänze, wie der Stahlsektor, die IT-Branche, die Gesundheitstechnologien, die Logistik, die Automobilbranche usw. Überall in der Welt finde man ein Stück Luxemburg, wird in dem Filmchen geschlussfolgert.
Wussten Sie’s?
So wurde Luxemburger Stahl in den Freedom Towers in New York und Luxemburger Glas im Burj Khalifa in Dubai verbaut. Hazmat-Anzüge, die in Westafrika die Helfer gegen das Ebola-Virus beschützen, werden in Luxemburg entworfen und hergestellt. In Luxemburg hat der weltweit größte Satellitenbetreiber SES seinen Hauptsitz. Die RTL-Sender sind ebenfalls europaweit bekannt. Die IEE und Delphi sind wichtige Hersteller von Fahrzeugteilen. Wussten Sie, dass im Großherzogtum jährlich über 12 Milliarden Kugelschreiber-Kugeln hergestellt werden? Ceratizit, einer der Marktführer bei der Produktion der Kugeln sitzt nämlich in Luxemburg. Mehrere große IT-Firmen und Onlinehandel-Plattformen haben sich ebenfalls in Luxemburg niedergelassen, wird im Video erinnert.
Die Werbekampagne ist ein Teil der Diversifizierungspolitik der Regierung. Luxemburg muss seine Wirtschaft diversifizieren, um mittel- und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Es ist nicht das erste Mal, dass das Land wirtschaftlich einen neuen Kurs einschlagen muss. Aus einem Bauernstaat wurde Anfang des letzten Jahrhunderts ein Industriestandort mit einer starken Stahindustrie. In den 70er Jahren dann traf die weltweite Stahlkrise die luxemburgische Wirtschaft mit voller Wucht. Man musste neue Wege finden. Damals schon wurde eine Diversifizierung der Industrie eingeleitet. Industrieunternehmen aus den verschiedensten Branchen (Chemie, Kunststoffe, Maschinenbau, Metall-Verarbeitung, Automobilindustrie, Herstellung von Präzisionsgeräten oder elektronischen Geräten, Glasindustrie und holzverarbeitende Industrie) ließen sich in Luxemburg nieder. Parallel wurde der Dienstleistungssektor und der Finanzplatz aufgebaut. Dieser verliert jetzt jedoch so langsam an Gewicht. Darum soll die Luxemburger Wirtschaft wieder «umgebaut» werden.
Handel und Logistik
Neue Investoren müssen angezogen werden und das Land als Handelsdrehscheibe gestärkt werden, so die Regierung. Der Ausbau des Logistikbereichs stellt eine weitere Priorität dar. Auch die Forschung und die Spitzentechnologie (u.a im medizinischen Bereich) und die Umwelttechnologien sollen hierzulande massiv gefördert werden. Um den Wirtschaftsstandort Luxemburg im Ausland bekannt zu machen wurden 2008 Agenturen zur Wirtschaftsförderung gegründet.
In Luxemburg besteht außerdem Handlungsbedarf in Sachen Werbung und Imagepflege, seit der Luxleaks-Affäre. Die Enthüllungen um Steuervermeidungsmodelle in Luxemburg haben dem Land geschadet. Dem will die Regierung entgegenwirken.
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