Der Todesschütze der Hochschule im US-Bundesstaat Oregon ist tot. Bezirks-Sheriff John Hanlin sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, Polizisten hätten ihn in einem der Räume der Hochschule in Roseburg geortet und dann «neutralisiert».
Die Stimme des Feuerwehrmanns zittert. Man hört Ray Schoufler an, dass er gerade etwas Schreckliches gesehen haben muss: blutende Studenten am Boden, Tote in Klassenzimmern, nackte Angst. Live soll er dem TV-Sender CNN nun am Telefon erklären, was genau sich am College in Roseburg gerade abgespielt hat. Doch Schouflers Stimme stockt, er muss Luft holen. Die Toten und Verletzten im US-Staat Oregon wühlen den Fire Marshal innerlich auf.
Von «mehreren Patienten in mehreren Unterrichtsräumen», spricht der Feuerwehrmann, der Tausenden Zuschauern nicht im Detail erklären will, was der mutmaßliche Amoklauf am Umpqua Community College (UCC) soeben hinterlassen hat. Von einem «gewaltigen Polizeiaufgebot» spricht er, er klingt verwirrt. «Sind Sie okay?», fragt die landesweit bekannte CNN-Moderatorin Brooke Baldwin schließlich. «Ja», sagt Schoufler – «hier ist gerade einfach eine ganze Menge los.»
Unter Schock
Dabei ist in Roseburg überhaupt nichts okay. Zehn Menschen sind Berichten zufolge tot, vielleicht sogar 15, zwischen 20 und 25 sollen verletzt sein. Ein etwa 25-Jähriger soll das Blutbad angerichtet haben. Wie so oft bei den tragisch wiederkehrenden Shootings ist die Lage zunächst sehr unübersichtlich, Berichte von Zeitungen und TV-Sendern sind teilweise widersprüchlich. Fest steht: Die 22.000 Einwohner zählende Gemeinde steht unter Schock, jeder kennt hier jeden.
Es ist gegen 10.30 Uhr morgens, als der Schütze einen Unterrichtsraum betritt und das Feuer eröffnet – mit einem «langen Gewehr», wie Zeugen berichten. 60 Sekunden lang habe sie Schüsse gehört, sagt Lorie Andrews, die gegenüber vom großen, auf 18 Gebäude verteilten Campus lebt. «Erst dachte ich, es ist Feuerwerk», sagt sie. In dieser einen Minute könnte der Schütze – etwa mit dem bei Amokläufen häufig genutzten AR15-Sturmgewehr – Hunderte Schüsse abgeben haben.
Schütze «neutralisiert»
Kurz darauf folgt der sogenannte Lockdown, das College wird komplett abgeriegelt. Ein Professor habe erst gedacht, es sei eine Übung, erzählt eine in Sicherheit gebrachte Studentin gegenüber CNN. Sie habe sich im Unterrichtsraum mit den anderen verschanzt. Rund 50 warten Berichten zufolge in der abgeriegelten Cafeteria. Während die eingesperrten um ihr Leben und um das ihrer Freunde bangen, rücken Polizei und FBI vor. Dann wird der Schütze «neutralisiert», wie Schoufler sagt.
Zwei Stunden nach dem ersten Notruf gibt die Polizei Entwarnung. «Es besteht keine laufende Gefahr für die Gemeinde», sagt ein Sprecher der Polizei in Roseburg. Sprengstoff-Experten untersuchen die Gegend mit Hunden, Präsident Barack Obama und seine Sicherheitsberaterin Lisa Monaco werden informiert.
Im Internet angekündigt
Tragischerweise kommt hinzu, dass der mutmaßliche Schütze die Tat am Vortag im Internet angedeutet haben soll. Hätten bei Freunden die Alarmglocken angehen müssen, nahmen Bekannte seine Worte in sozialen Netzwerken nicht ernst genug?
Kommentatoren auf Twitter blicken schon jetzt nach vorn und sagen voraus, dass solch ein Blutbad sich in den USA wiederholen wird. «Noch ein Massen-Shooting», schreibt einer. «Medien berichten. Obama spricht. Die Öffentlichkeit trauert und schickt Gebete. Das Land bewegt sich weiter. Nichts verändert sich. Wiederholen.» An den US-Statistiken zu Shootings in Schulen, Universitäten, Kinos und Einkaufszentren gemessen, wird er wohl recht behalten.
Zu Demaart



























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