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Der weite Weg

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Die Europäer bekommen die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg nur mit großen Mühen in den Griff. Bei den Dublin-Asylregeln ist man gespalten.

Unmittelbar vor dem EU-Gipfel ist ein offener Streit über einen Grundpfeiler der europäischen Asylpolitik entbrannt. Der italienische Regierungschef Matteo Renzi bezeichnete die Regel als überholt, wonach der EU-Erstaufnahmestaat für den Antrag eines Asylbewerbers verantwortlich ist. Schon zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das sogenannte Dublin-Verfahren im Europaparlament als «in der Praxis obsolet» bezeichnet.

Ein hoher EU-Diplomat verteidigte hingegen am Mittwoch in Brüssel mit ungewöhnlich deutlichen Worten das System: «Es ist gefährlich, Dublin für tot zu erklären, wenn es keine Alternative gibt.» Die EU-Staats- und Regierungschefs werden am Donnerstag zum zweiten Mal seit gut drei Wochen über die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg beraten. Dabei wird es auch um den EU-Kandidaten Türkei gehen – es ist das größte Transitland für Flüchtlinge.

Auf Taten warten

Mit Ankara wird über einen Aktionsplan verhandelt, um den Zustrom von Flüchtlingen einzudämmen. Im Gegenzug will Brüssel mehr Tempo machen beim Dauerthema Visa-Liberalisierung für türkische Staatsbürger und bis zu eine Milliarde Euro für die Flüchtlingsaufnahme zur Verfügung stellen.

EU-Vizekommissionschef Frans Timmermans machte sich vor dem Gipfel auf den Weg in die Türkei. Der niederländische Sozialdemokrat forderte die 28 EU-«Chefs» auf, ihre Versprechen vom Flüchtlings-Krisengipfel Ende September einzulösen und zugesagte Finanzmittel bereizustellen. «Erst haben sie geredet. Jetzt gilt es, das in Taten umzusetzen.»

Millionen zugesagt

Dabei geht es unter anderem um Hilfen für Nachbarländer des kriegserschütterten Syriens wie Jordanien, Libanon oder Türkei. Als Antwort auf die Krise in dem Nahostland hatte die Kommission Ende September einen Syrien-Treuhandfonds vorgeschlagen, der mit mindestens einer Milliarde Euro gefüllt werden soll. Die Hälfte, also 500 Millionen Euro, sollen aus dem EU-Budget kommen, die andere Hälfte von den EU-Staaten.

Wie ergänzend aus Kreisen der Kommission verlautete, seien auch anstelle der im September zugesagten 1,8 Milliarden Euro für den Nothilfe-Treuhandfonds für Afrika zur Bekämpfung von Fluchtursachen bisher nur einige Millionen zusammengekommen. Deutschland, Spanien und Luxemburg hätten bislang je drei Millionen Euro zugesagt. Auch für die Finanzierung des Welthungerprogramms, für das es eine weitere Milliarde Euro geben solle, sei man weit vom Ziel entfernt. Zuerst hatte die Tageszeitung «Welt» darüber berichtet.

Neues «Dublin»

Timmermans versuchte, den Streit um die Dublin-Regeln zu entschärfen. «Es gibt starke Gründe für eine Revision von Dublin», sagte er. «Als Dublin zustande kam, war die Lage komplett anders.» In der Praxis halten sich einige Staaten nicht mehr an die Regeln. Im vergangenen Monat hatten die EU-Staaten nach langen Debatten die Verteilung von 160.000 Flüchtlingen beschlossen, weil insbesondere Italien und Griechenland mit dem Zustrom nicht mehr fertig werden.

Ein weiteres Thema des auf einen Tag verkürzten Gipfels ist der Plan des britischen Premiers David Cameron, bis 2017 ein Referendum über die EU-Mitgliedsschaft seines Landes abzuhalten. Da bisher keine konkrete Forderungen aus London vorliegen, warten die «Chefs» auf Einzelheiten von Cameron.

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