343 Millionen Euro, ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes, stehen dafür zur Verfügung. Beim Dachverband der NGOs knallten gestern die Sektkorken trotzdem nicht. Direktorin Christine Dahm vom „Cercle de coopération“ erklärt warum.
Tageblatt: Sekt hat es gestern also nicht gegeben, warum?
Christine Dahm: Es wird Umschichtungen innerhalb dieses Budgets geben, die Auswirkungen auf die Arbeit der NGOs haben werden – vor allem hinsichtlich der Projektarbeit und der damit verbundenen administrativen Kosten.
Wieso?
Der Betrag ist der gleiche geblieben, das heißt, die Projekte können weiterlaufen oder neu angestoßen werden, aber voraussichtlich mit weniger Personal.
Warum das denn?
Im ursprünglichen „Zukunftspakt“ war vorgesehen, dass der staatliche Beitrag zu den Verwaltungskosten der NGOs, Miete und Personal sind die Hauptposten, verringert werden soll. Er soll pro Organisation von bisher 15 auf jetzt 12 Prozent sinken. Das kann auch als Signal zu verstärktem Ehrenamt verstanden werden.
In den bei Ihnen organisierten NGOs arbeiten aber doch schon viele Ehrenamtliche …
Das betrifft etwa 70 Prozent unserer Mitglieder. Die restlichen 30 Prozent haben angestelltes Personal und wären von diesen Maßnahmen, wenn sie in der ursprünglichen Form ausgeführt werden sollten, betroffen.
Wir fürchten, dass dadurch die Arbeit unserer Mitglieder gezwungenermaßen schwieriger wird. Darauf haben wir vermehrt hingewiesen, die Verhandlungen mit der zuständigen Stelle im Außenministerium laufen noch.
Weitere Kritikpunkte?
Ja, gibt es. Der Betrag von 37 Millionen Euro für humanitäre Hilfe ist gleich geblieben. Das entspricht in unseren Augen nicht einer vorsichtigen Planung, die angebracht wäre angesichts der aktuellen Situation und zunehmenden humanitären Krisen. Außerdem stagniert der Betrag für unsere Sensibilisierungsarbeit erneut bei zwei Millionen Euro. Entwicklungspolitik ohne ein Bewusstsein dafür funktioniert aber nicht.
Am Montag gibt es eine Pressekonferenz unter dem Titel „La protection sociale pour tous“, die sich mit der in New York verabschiedeten Agenda 2030 beschäftigt …
Wir müssen uns zukünftig verstärkt auch den Ungleichheiten in Luxemburg zuwenden – und wie diese behoben werden können. Die Entwicklung im „Süden“ ist nicht unabhängig von der Entwicklung im „Norden“, in Ländern wie Luxemburg, zu sehen. Wir wissen, dass auch hier im Land die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht.
Was gedenken Sie als Lobby der NGOs in Luxemburg zu tun?
Wir fordern die Regierung auf, sich diesen Problemen zu stellen. Wir wissen, dass wir z.B. auf eine „Pensionsmauer“ zusteuern, um nur ein Problem zu nennen. Das muss angepackt werden.
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