Montag26. Januar 2026

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Nichts für Feiglinge

Nichts für Feiglinge
( Delphine Jouandeau )

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Die luxemburgische Pianistin Cathy Krier ist keine Künstlerin, die es sich einfach macht. Sowohl in ihren Konzerten als auch bei ihren CD-Produktionen sucht sie die Herausforderung.

Auch die rezente Aufnahme von Cathy Krier ist kein Mainstream-Produkt. Und keine CD, die man „mal so nebenbei“ hört. Unter dem Motto „Piano – 20th Century“ präsentiert die Pianistin Klavierwerke von Alban Berg, Arnold Schönberg und Bernd Alois Zimmermann.

Die Überraschungen der CD dürften aber „Nuages gris“ und „Unstern! Sinistre, disastro“ von … Franz Liszt sein.
Diese beiden Spätwerke aus den Jahren 1881 und 1886 sind keine typischen Liszt-Kompositionen, sondern gewagte, bis dahin kaum gehörte Klang- und Harmoniekonstellationen, die durch ihre Modernität bereits das 20. Jahrhundert vorwegnehmen.

Begeisternd in allen Hinsichten

Und in pianistischer Hinsicht beginnt dieses Jahrhundert mit Arnold Schönbergs „3 Klavierstücke op. 11“ (1909) und Alban Bergs „Klaviersonate op. 1“ (1907/8). Nach dem 2. Weltkrieg hat die Darmstädter Schule mit alten Traditionen gebrochen und versucht, neue Wege zu gehen. Ein Komponist, der sowohl mit der alten Tradition als auch mit den Errungenschaften der Moderne vertraut war, war der in Nazi-Deutschland verfemte Bernd Alois Zimmermann.

Cathy Krier stellt uns ihr zweiteiliges Werk „Enchidirion I + II“ vor, das in den Jahren 1949 bis 1952 entstanden ist und Zimmermanns Entwicklung von der frei atonalen zur seriellen Musik aufzeigt. Über die Aufnahme kann man sich nur mit Begeisterung äußern. Cathy Krier gelingt es hervorragend, Liszts Modernität aufblitzen zu lassen und im Gegenzug in Bergs op. 1 noch spätromantische Klänge deutlich zu machen.

Spannend auch die drei kondensierten Klavierstücke von Schönberg, die von Cathy Kriers ebenso subtilem wie analytisch geprägtem Anschlag profitieren. Bei dem Zimmermann-Werk handelt es sich meines Wissens nach erst um die zweite Aufnahme überhaupt. Nach ihren hochrangigen Janacek-, Rameau- und Ligeti-Einspielungen begeistert auch diese im Kammermusiksaal der Philharmonie aufgenommene CD in allen Hinsichten. Eine musikalisch ebenso hochwertige wie außergewöhnliche Aufnahme, die den Hörer während 70 Minuten herausfordert. Also nichts für musikalische Feiglinge!