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Taliban bitten um Beistand

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Nach dem schweren Erdbeben am Hindukusch, dem bis Dienstagnachmittag mehr als 350 Menschen in Afghanistan und Pakistan zum Opfer gefallen sind, haben die Taliban Hilfe angefordert.

Die radikalislamische Organisation rief Hilfsorganisationen auf, den Opfern «Unterkunft, Lebensmittel und medizinische Versorgung» zukommen zu lassen und befahl ihren eigenen Kämpfern, den Betroffenen «uneingeschränkt» zu helfen. Die Anordnung, den Erdbebenopfern zu helfen, passt zur neuen Strategie von Taliban-Chef Mullah Achtar Mansur. Dieser hatte im September seine Kämpfer angewiesen, die «selbstlose» Arbeit der Hilfsorganisationen zu unterstützen.

Die Rettungsarbeiten liefen am Dienstag auf Hochtouren. Die Such- und Hilfsteams hatten einen Tag nach dem Beben weiterhin Mühe, die abgelegenen und oftmals von den Taliban kontrollierten Gebiete zu erreichen. Bis Dienstagnachmittag wurden mehr als 350 Tote geborgen, doch wurde mit einem Ansteigen der Zahl gerechnet. Das Beben hatte am Montagmorgen im Nordosten Afghanistans und im Norden Pakistans schwere Verwüstungen angerichtet. Das Zentrum des Bebens mit einer Stärke von 7,5 lag in großer Tiefe in der Hindukusch-Provinz Badachschan – sonst wäre die Zahl der Opfer möglicherweise noch deutlich höher ausgefallen.

Pakistan am schwersten betroffen

Am schwersten betroffen ist Pakistan, allein dort meldeten die Katastrophenschutzbehörde mehr als 240 Tote und über 1600 Verletzte. Einige Gebiete waren am Dienstag weiterhin absolut unzugänglich, selbst per Telefon konnte kein Kontakt hergestellt werden. Nach Angaben eines Polizeivertreters war es völlig unklar, wie es den rund 500.000 Bewohnern des Bezirks Kohistan in der Provinz Khyber Pakhtunkwa geht. In anderen Gebieten der Provinz konnten Verletzte mit Hilfe von Militärhubschraubern geborgen und in die Krankenhäuser von Peshawar oder Rawalpindi gebracht werden. Alle Militärkrankenhäuser wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Tausende Gebäude wurden zerstört oder beschädigt, darunter auch historische Stätten wie die Bala-Hissar-Festung und eine Moschee aus dem 17. Jahrhundert in Peshawar.

Regierungschef Nawaz Sharif besuchte den ebenfalls schwer zerstören Bezirk Shangla und versprach den dortigen Bewohnern großzügige Unterstützung. Er kündigte ein umfangreiches Hilfspaket für die betroffenen Regionen an. Bei vielen Bewohnern wurden Erinnerungen an das verheerende Erdbeben von vor zehn Jahren wach, bei dem über 75.000 Menschen umgekommen waren. «Ich fürchtete schon, die Welt werde erneut untergehen», erzählte die 34-jährige Shehnaz Rasheed aus dem pakistanischen Teil von Kaschmir, die vor zehn Jahren ihre Tochter verloren hatte. «Ich ließ alles stehen und liegen und rannte in die Schule meiner Jungen, um wenigstens gemeinsam mit ihnen zu sterben.»

In Afghanistan kamen nach Angaben der Behörden mindestens 115 Menschen ums Leben, darunter zwölf Mädchen, die bei einer Massenpanik in ihrer Schule totgetrampelt wurden. Hunderte Menschen wurden verletzt, rund 7000 Häuser zerstört oder beschädigt. Am schwersten betroffen ist in Afghanistan laut dem Leiter des Katastrophenschutzes, Wais Barmak, die Provinz Badachschan, in der das Epizentrum des Bebens lag. Sie wurde in den vergangenen Monaten zu einer Hochburg der Taliban.

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