Nach monatelangen Ermittlungen und verdeckter Überwachung schlugen Polizei und Zoll am vergangenen Dienstag in dem verschlafenen Grenzort Wasserbillig in einem Wohnhaus zu. Ein Sondereinsatzkommando stürmte das Haus an der Hauptstaße. Neben den mehr als 200 Polizisten und Zöllner war auch ein Ermittler aus Belgien im Einsatz. Europol analysierte die gewonnen Daten von Wasserbillig und glichen sie mit der Europol-Datenbank ab.
Die Polizei hat am Montag ihre Bilanz der großangelegten Razzia gegen den afrikanischen Drogenring veröffentlicht. Insgesamt seien 20 Personen bei der Aktion festgenommen worden, betont die Polizei in einer Mitteilung. Es wurden mehr als 140.000 Euro beschlagnahmt. Es sei gelungen einen afrikanischen Drogenring, der seit längerem in Luxemburg aktiv ist zu zerschlagen. Organisierte Banden aus Nigeria dominieren seit Jahren den Drogenmarkt in Luxemburg. Meist getarnt als politische Flüchtlinge reisen sie ein und bauen anschließend ein dichtes Netz für harte Drogen auf.
Einer war illegal hier
In Wasserbillig alleine wurden dreizehn Personen festgenommen. Gegen sie wurde ein Haftbefehl ausgestellt. Mehrere Drogendealer hätten sich in dem Haus in Wasserbilllig versteckt, so die Polizei. Bei der Razzia wurde außerdem ein Drogenhändler in flagranti erwischt und festgenommen. Des Weiteren mussten sich die übrige Einwohner des Hauses ausweisen. Dabei wurde herausgefunden, dass eine Person gefälschte Papiere bei sich trug. Sie wurde ins Abschiebezentrum auf Findel gebracht.
Parallel zur Aktion in Wasserbillig wurden Hausdurchsuchungen in Luxemburg durchgeführt, erklärt die Polizei. Hier wurden vier Personen festgenommen. Ein Drogendealer wurde auf frischer Tat ertappt und ebenfalls in Polizeigewahrsam genommen. Am Tag nach ihrer Festnahme wurden sie dem Untersuchungsrichter in Luxemburg vorgeführt.
Zwei Tage nach der Groß-Razzia, am 29. Oktober, wurde dann noch eine weitere Person festgenommen und auf Anordnung der Staatsanwaltschaft verhaftet.
Eine rein nationale Angelegenheit
Die ganze Polizeiaktion sei ausschließlich von der Luxemburger Polizei geplant und durchgeführt worden, unterstreicht die Polizei. Nach der Razzia war spekuliert worden, dass es sich bei den Razzien um eine Europol-Aktion handele. Die Rolle der europäischen Polizeibehörde hätte sich lediglich auf die «Analyse» während er Aktion beschränkt, wird in der Mitteilung betont.
Im Zuge der Ermittlungen konnt aber bisher nicht festgestellt werden, dass eine religiöse Sekte in die Aktivitäten des Drogenrings verwickelt ist.
Die Bilanz der Aktion sieht folgendermaßen aus: 20 Festnahmen, eine Überführung ins Abschiebezentrum auf Findel, Beschlagnahmung von 142.718 Euro, zwei Kilogramm Kokain, 1,43 Kilogramm Marihuana, 245 Mobiltelefonen und 42 PC, respektive Laptops oder Tablets. Der Marktwert der beschlagnahmten Drogen konnte noch nicht ermittelt werden. Die Ermittlungen gegen den afrikanischen Drogenring seien noch nicht abgeschlossen, betont die Polizei.
Drogen-«Hauptquartier» in Wasserbillig
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