Mittwoch28. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

«Mein Kopf ist voll mit Gedanken»

«Mein Kopf ist voll mit Gedanken»
(Facebook)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Die luxemburgische Malerin Nathalie Reuter, die seit rund zehn Jahren in Paris lebt, war zum Zeitpunkt der Attentate im Kino, wo sie sich den Film "Une jeunesse allemande" des französischen Regisseurs Jean-Gabriel Periot ansah.

Thema des Films ist der Umgang der Bundesrepublik Deutschland mit der RAF-Ära. Umso überraschter sei sie gewesen, als sie auf dem Nachhauseweg feststellen musste, dass mehrere Metro-Stationen wegen Terror-Attentaten geschlossen waren.

«Mein Kopf war noch voll mit Gedanken über Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, als ich plötzlich feststellen musste, dass der Terrorismus näher war als ich gedacht hatte,» sagt Nathalie Reuter. Als sie die Nachrichten im Fernsehen sah, habe sie zuerst gedacht, die Journalisten würden übertreiben, doch dann wurde bekannt, dass die Terroristen wahllos auf die Kunden geschossen hatten, die draußen auf den Terrassen vor den Cafés saßen. «Das ist schon erschreckend,» betont die 45-jährige Künstlerin, die im 19. Arrondissement wohnt.

Dämlich

Andererseits stört Nathalie Reuter die Massenhysterie, die jetzt in Paris herrsche. Die politischen Reaktionen, Kriegserklärung und verstärkte Sicherheitsmaßnahmen, findet sie «dämlich». «Alle Orte, wo viele Menschen zusammenkommen könnten, bleiben geschlossen, der Markt vor meiner Tür und der ‚Salon du livre‘ wurden abgesagt. Das macht keinen Sinn, denn jetzt sind die Attentate ja vorbei. Ich fahre jeden Tag mit der überfüllten Metro, dort kann zu jedem Moment ein Selbstmordattentäter viel mehr Schaden anrichten als es am Freitag passiert ist. Ich denke ständig daran. Da hilft es auch nichts, ein paar Sicherheitskräfte mit Maschinengewehren aufzustellen. Die können nichts dagegen ausrichten,» meint Nathalie Reuter
.
Dämlich findet sie auch die Solidaritätsbekundungen à la «Je suis Paris» im Internet und anderswo. «Die Menschen halten nur zusammen, wenn es um Leben und Tod geht. Im Alltag schlagen sie sich hier fast die Köpfe ein. Doch ich bin mir sicher, in ein paar Tagen, wenn das Versammlungsverbot aufgehoben ist, findet wieder ein Solidaritätsmarsch statt, wo sich alle um den Hals fallen. Lieber sollte die Politik versuchen, die Ursachen für diese Gewalttaten in den Griff zu bekommen,» erklärt Nathalie Reuter.

Lesen Sie auch:

«Paris erkennt man nicht wieder»

«Falls ihr Neuigkeiten zu Christophe habt»

Dossier Terror in Europa