Für die belgische Hauptstadt Brüssel gilt die höchste Terrorwarnstufe. Das teilte das nationale Krisenzentrum in der Nacht zum Samstag mit. Den Bürgern wurde empfohlen, in ihren Häusern zu bleiben sowie Ansammlungen, Bahnhöfe, Flughäfen und Einkaufszentren zu meiden. Die Metro und U-Bahnen stellte ihren Betrieb ein. Am Samstagmorgen patrouillierten schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten an den wichtigen Kreuzungen der Stadt. Die höchste Terrorwarnstufe vier gilt auch für den Großraum der Stadt.
Sie bedeutet, dass die Behörden von einer «ernsthaften und unmittelbaren Bedrohung» ausgehen. In Brüssel befinden sich auch die Zentralen der Europäischen Union und der Nato sowie Büros zahlreicher multinationaler Unternehmen. Hier leben mehr als eine Millionen Menschen.
«Wir haben ausreichende Informationen»
Die belgische Regierung hat die Anhebung der Terrorwarnstufe am Samstag in Brüssel mit einer höheren Gefährdung begründet. «Wir haben ausreichende Informationen, um einschätzen zu können, dass die Gefahr eindeutig und unmittelbar ist», sagte Außenminister Didier Reynders am Samstag in Brüssel. Auch Innenminister Jan Jambon sagte: «Die Gefahr ist ausreichend stark, um die Terrorwarnstufe auf Niveau 4 anzuheben.» Details zu den Hintergründen nannten die Minister nicht.
In Brüssel kam am Vormittag der nationale Sicherheitsrat zu einer Krisensitzung zusammen. Dort sprachen sich Regierungsmitglieder mit Polizei und Sicherheitskräften über das weitere Vorgehen ab.
Menschenansammlungen meiden
Ein Sprecher des Krisenzentrums sagte im belgischen Radio: «Die Empfehlungen an die Bevölkerung sind sehr einfach: Wir bitten darum, Plätze mit vielen Menschen in der Hauptstadtregion Brüssel zu vermeiden, also Konzerte, Großereignisse, Bahnhöfe, Flughäfen und den öffentlichen Personennahverkehr.» Das Krisenzentrum riet auch, keine Fußballspiele der ersten und zweiten Liga an diesem Wochenende auszutragen.
Im Rest Belgiens gilt den Angaben zufolge weiter die Stufe 3, was einer «möglichen und wahrscheinlichen» Bedrohung entspricht. Belgiens Premierminister Charles Michel rief für den Vormittag (09.00 Uhr)eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrates ein, um über weitere Sicherheitsmaßnahmen zu beraten. Brüssel ist auch der Sitz der Einrichtungen der Europäischen Union und der Nato.
Metro bleibt geschlossen
Die Metro habe am Morgen nicht geöffnet, sagte die Sprecherin des Verkehrsbetreibers STIB, Françoise Ledune, im belgischen Radio RTBF. Dies werde den ganzen Tag so bleiben: «Die Metro bleibt geschlossen bis zum Ende des Betriebs.» Danach werde mit den Behörden entschieden, ob am Sonntag wieder Metro-Bahnen fahren werden oder nicht.
Auch beim Zugverkehr gab es zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. So patrouillierte das Militär in den großen Brüsseler Bahnhöfen sowie am Brüsseler Flughafen. Es ist nicht das erste Mal, dass in Belgien die höchste Terrorstufe gilt. Nach Angaben des RTBF wurde sie zuletzt im Mai 2014 nach dem Attentat auf das jüdische Museum, bei dem ein Islamist vier Menschen erschoss, für jüdische Einrichtungen ausgerufen.
Verbindungen nach Frankreich und Belgien
Nach den Terroranschlägen in Paris mit 130 Toten hatten Ermittlungen ergeben, dass fünf der Angreifer Verbindungen nach Frankreich und Belgien hatten. Die belgische Hauptstadt war auch Heimat des mutmaßlichen Drahtziehers der Terrorserie, Abdelhamid Abaaoud, der am Mittwoch von der französischen Polizei bei einer Razzia getötet worden war. Zudem erhob die belgische Staatsanwaltschaft am Freitagabend im Zuge der Ermittlungen zu den Anschlägen von Paris Terrorismusanschuldigungen gegen drei Verdächtige, die sich in Haft befinden.
Mindestens ein Verdächtiger ist noch auf freiem Fuß. Weiter gefahndet wird nach einem mutmaßlichen Komplizen der Attentäter, dem Franzosen Salah Abdeslam. Er soll eines der Fluchtautos der Täter gefahren haben, einer seiner Brüder gehörte zu den Attentätern. Die französischen Behörden teilten am Samstag mit, sie könnten nicht einwandfrei feststellen, ob er sich in Belgien oder Frankreich befinde.
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