So recht hatte ihn niemand auf dem Zettel. Als Mauricio Macri, der Bürgermeister von Buenos Aires, aber in der ersten Wahlrunde überraschend gut abschnitt und nur drei Prozentpunkte hinter dem großen Favoriten zurücklag, nahm seine Kandidatur Fahrt auf.
Am Sonntag dann der Triumph: Macri besiegte in der Stichwahl um die Präsidentschaft in Argentinien den linksgerichteten Regierungskandidaten Daniel Scioli, der mit besten Chancen in die Wahl gegangen war. Mit dem Wahlsieg des 56-jährigen Wirtschaftsliberalen ist nach zwölf Jahren das Ende der Ära Kirchner und der linksgerichteten Regierungspolitik in Argentinien besiegelt.
Am 10. Dezember wird Macri die Nachfolge der scheidenden Präsidentin Cristina Kirchner antreten. In der Stunde seines größten Erfolgs stellte er seinen Landsleuten einen «wundervollen epochalen Wandel» in Aussicht. Es werde einen Bruch mit der bisherigen linken Regierungspolitik geben – aber «ohne Rache und ohne Vergeltung».
Protektionismus beenden
Im Wahlkampf hatte Macri verkündet, er wolle die protektionistische Wirtschaftspolitik der Kirchners beenden und – in Anspielung auf die Endlos-Reden seiner Vorgängerin – ein Präsident sein, «der weniger redet und mehr den Erwartungen entspricht».
Sein Widersacher Scioli setzte hingegen darauf, sich als Verteidiger der sozial Benachteiligten zu präsentieren – und Macri als Verkörperung des «wilden Kapitalismus». Verfangen hat das bei den Wählern nicht, offenbar war nach zwölf Jahren mit Nestor und dann Cristina Kirchner an der Staatsspitze die Zeit reif für einen Wechsel. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Argentinien nach Jahren des Wachstums derzeit am Rande einer Rezession steht.
Aus der Oberschicht
Macri ist ein Spross der argentinischen Oberschicht, Sohn des schwerreichen Unternehmers Franco Macri, eines italienischen Geschäftsmannes, der 1949 nach Argentinien einwanderte. Als Kind träumte er davon, «entweder Stürmer bei Boca Juniors oder Sänger» zu werden. Zunächst wurde Macri Ingenieur und leitete im Konzern seines Vaters verschiedene Gesellschaften. Die Beziehung zu seinem Vater war schwierig, sie überwarfen sich, und der Sohn zog es schließlich vor, sein Glück außerhalb des väterlichen Unternehmens zu suchen.
In Erinnerung an seinen Kindheitstraum übernahm Macri 1995 die Leitung des legendären Hauptstadtclubs Boca Juniors, den er zwölf Jahre lang erfolgreich führte. Zweimal holte er mit Boca die Copa Libertadores – das südamerikanische Pendant zur Champions League – was im fußballverrückten Argentinien bei seinen Landsleuten für viele Pluspunkte sorgte. 2003 begann dann seine politische Karriere.
Früherer Boca-Präsident
Eine erste Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Buenos Aires schlug fehl. 2007 legt er sein Amt als Boca-Präsident nieder und gründete die rechtsgerichtete Partei PRO. Mit ihr als Basis eroberte er noch im selben Jahr das Rathaus von Buenos Aires. «Seine Amtsführung als Bürgermeister von Buenos Aires war gut, und die Wähler haben das an den Urnen gezeigt», sagt der Politikwissenschaftler Mariano Aguas. «Und Präsident von Boca zu sein ist nicht nichts: Er hat für Transparenz gesorgt und den Club neu organisiert. Er ist ein guter Manager.»
Anfang 2015 vermochte er es, eine Allianz mit der altgedienten Mitte-Links-Partei UCR des ehemaligen Präsidenten Raúl Alfonsín zu schmieden – ein entscheidender Schachzug. Die UCR verfügte über das, was der PRO fehlte: ein landesweites Netzwerk. Sein Bündnis Cambiemos (etwa: Lasst uns die Dinge ändern) war die Basis für den Wahlerfolg, der den schlanken, graumelierten 56-Jährigen nun an die Staatsspitze katapultierte. Schöne Frauen, schöne Autos, Urlaub im Badeort Punta del Este in Uruguay – dies gehört für die argentinische Oberschicht zum guten Ton, so auch bei Macri. Inzwischen ist er das dritte Mal verheiratet, mit dem 41-jährigen Model Juliana Awada. Gemeinsam haben sie eine kleine Tochter, aus erster Ehe hat Macri bereits drei Kinder.
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