Einfach so zum Bahnhof gehen, 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges dort sein, einsteigen, seinen Platz suchen und sich behaglich einrichten: Das war einmal. Geht es nach Frankreichs Umwelt- und Verkehrsministerin Ségoléne Royale, dann sollen die Eisenbahnfahrgäste zukünftig auf den Bahnsteigen Kontrollportale wie an Bahnhöfen passieren, bevor sie in den Zug einsteigen dürfen. Ségolène Royal kündigte an, dass Portale für den Thalys noch bis zum 20. Dezember eingerichtet werden sollen. Der Weihnachtsreiseverkehr würde von den Kontrollen daher betroffen. In Frankreich sollen die Portale an der Gare du Nord und in Lille eingerichtet werden. Frau Royale bietet den Belgiern und den Deutschen an, die Portale auch in Brüssel und Köln einzurichten, damit eine einheitliche Technik gewährleistet ist.
Gerade in Deutschland aber weist der Plan eine Schwäche auf. Anders als in Paris gedacht, hält der Thalys in Deutschland in Aachen, in Köln, in Düsseldorf und endet erst in Essen. In einer der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands mit hohen Passagier Aufkommen müsste daher in Aachen, Köln, Düsseldorf und Essen ein Bahnsteig jeweils für den Thalys umgerüstet werden.
Für moderne Lösungen
Der Präsident der französischen Eisenbahnen, Gillaume Pépy hat sich scharf gegen diese Maßnahmen gewehrt. „Richtet man diese Portale ein, dann haben wir die 20fache Situation, die wir in den Flughäfen erleben,“ sagte er. Pépy plädiert für moderne Lösungen. Er hatte diese Idee der Ministerin schon nach dem Attentat auf den Thalys Amsterdam-Paris abgelehnt, das von amerikanischen Soldaten verhindert worden war.
Pépy hatte unter anderem den Einsatz einer Maschine angeregt, die derzeit von der Polizei Präfektur in Paris ausprobiert wird. Diese Maschine kontrolliert und „riecht“ das Gepäck. Auch bewaffnete Scheriffs in Zivil, wie sie in den amerikanischen Flugzeugen existieren, wollte Pépy nicht ausschließen. Die französische Regierung verweist hingegen auf den Eurostar, bei dem diese Kontrollen bereits durchgeführt werden. Der Unterschied ist: Großbritannien ist nicht Mitglied des Schengen Raumes und hat seine Grenze in die Gare du Nord verlegt, so wie die Europäische Union ihre Grenze in den Bahnhof St. Pancras in London verlegt hat und dort Kontrollen durchführt.
Kontrollen «weicher» Art
Kontrollen in «weicher» Art führt die französische Eisenbahn bereits am Bahnhof Montparnasse durch. Von hier starten die TGV in den Westen, nach Le Mans, Angers, Nantes, Rennes, Westen und in den Südwesten Frankreichs. An den Bahnsteigen sind Tore eingerichtet, die sich zwei Minuten vor der Abfahrt schließen. An den Türen der Zugwagen stehen Stewards, die ein esteigen erst nach Kontrolle der Fahrkarte erlauben.
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