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Lothringen wählt rechtsradikal

Lothringen wählt rechtsradikal
(AFP/Patrick Hertzog)

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In Lothringen geht die rechtradikale Bewegung Front National als Sieger aus dem ersten Gang der Regionalwahlen hervor und ist Favorit für den zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag.

Wie ein Tsunami hat die rechtspopulistische Bewegung Front National Lothringen überrollt. Im Mosel Département errangen die Rechtsradikalen in 25 von 27 Wahlkreisen die Mehrheit. Im saarländisch-lothringischen Grenzgebiet, das sich immer noch nicht vom Ende der Steinkohle erholt hat, errang der FN überall mehr als 40 Prozent. In Forbach sind es 49,3 Prozent, in Freyming Merlebach 47,9, in in Stiring-Wendel 46,7, in Saint Avold 45,2 Prozent.

Auch in den Städten im Mosel Département liegt der Front National vorne. In Amnéville und in der Stadt Freyming-Merlebach selbst erhielt die Bewegung über 50 Prozent der Stimmen. Nur in Thionville und in Yutz, die beiden Großräume, aus denen etwa 40 Prozent der luxemburgischen Grenzgänger kommen, muss sich der Front National mit den Plätzen zufrieden geben.

Zahlenspiel

Insgesamt gewinnen die Rechtsradikalen aber in allen lothringischen Départements. Die vom Vizepräsidenten der Partei, Florian Philippot, geführte Liste gewinnt im Mosel-Département mit 38,90 Prozent, im Département Meuse mit 40,32 Prozent. In den Vogesen erreicht Philippot 37,19 Prozent und im Département Meurthe et Moselle 34,88 Prozent. Während die Hauptstadt Lothringens und des Mosel Départements, Metz, die Rechtsradikalen mit 28,87 Prozent an die Spitze spült, verweigert sich die historische Hauptstadt Lothringens, Nancy, der rechtspopulistischen Bewegung. In der Stadt von Herzog Stanislas kommt der FN gerade auf 17,87 Prozent, ein Wert, den sonst die Sozialisten vereinzelt in Wahlkreisen erreichen.

Die Regionalwahlen hatten ursprünglich im Frühjahr 2015 stattfinden sollen. Sie wurden verschoben, weil zu der Zeit die Diskussion über die Neuordnung der Region in vollem Gange war. Der erste Wahlgang vom vergangenen Sonntag war ein Ausscheidungswahlgang für den zweiten Durchgang am kommenden Sonntag. Am 13. Dezember stehen in Lothringen die Listen des FN, der Sozialisten und der Republikaner zur Wahl. Teilnehmen darf nur, wer im ersten Wahlgang mehr als zehn Prozent der Stimmen erreicht hat.

Kritik

Der Front National schloss den ersten Wahlgang in der Region mit 36,06 Prozent der abgegebenen Stimmen ab. Die Republikaner mit dem elsässischen Spitzenkandidaten kommen mit 25,83 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz. Die Sozialisten mit dem lothringischen Spitzenkandidaten Jean Pierre Masseret landen abgeschlagen mit 16,11 Prozent auf dem dritten Platz.

Die Leitung der sozialistischen Partei in Paris hatte von Jean Pierre Masseret verlangt, seine Liste zurückzuziehen, damit sich alle Stimmen auf die Republikaner konzentrieren würden. Masseret lehnte das ab. «Ich werde nicht zulassen, dass die neue Großregion Elsaß, Champagne Ardennes und Lothringen von den Rechten und den Rechtsradikalen regiert wird», sagte er. Masseret darf darauf hoffen, maximal fünf Abgeordnete in das 169 Abgeordnete umfassende Regionalparlament zu entsenden.

Mehrheitswahlsystem

«Jean Pierre Masseret hat eine schwerwiegende Entscheidung getroffen», sagte der Präsident des lothringischen Wirtschafts- und Sozialrates, Roger Cayzelle. «Am kommenden Sonntag gewinnt der, der die meisten Stimmen hat. Die auf die Sozialisten entfallenden Stimmen könnten Philippe Richert fehlen, um der FN den Sieg streitig zu machen.»

Gewählt wird im Verhältniswahlsystem. Bisher kannte Frankreich mit Ausnahme der Europawahl nur das Mehrheitswahlsystem, bei dem der gewählt war, der die absolute Mehrheit oder im zweiten Wahlgang meisten Stimmen erzielte. Das Mehrheitswahlsystem hatte den FN bisher aus den Parlamenten fern gehalten.

Mit dem Verhältniswahlsystem kennt Frankreich seit dem vergangenen Sonntag die wirklichen politischen Mehrheiten. Die sind nicht sozialistisch oder bürgerlich sondern rechtsradikal.

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