Der inhaftierte saudische Blogger Raif Badawi (31) ist mit dem Sacharow-Preis des EU-Parlaments «für die geistige Freiheit» ausgezeichnet worden. Seine Ehefrau Ensaf Haidar hielt am Mittwoch im Straßburger Parlament ein Foto ihres Mannes hoch, bevor sie die Ehrung für diesen entgegennahm. Sie beeindruckte die Abgeordneten im Plenarsaal, weil sie zu einer Schweigeminute für die Opfer der Terrorangriffe in Paris vom 13. November aufrief.
In ihrer Dankesrede bedauerte sie, dass der Ausdruck des freien Denkens in arabischen Ländern häufig als Gotteslästerung betrachtet werde. Ihr Mann habe in seinem Blog die Einschüchterungsversuche der Religionsvertreter damit erklärt, «weil sie (die Religionsvertreter) Gefahr laufen, dass die Denker ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen und eines Tages ihre Lügen und ihre Ignoranz offenlegen könnten». Arabische Intellektuelle könnten nicht frei ihre Meinung äußern, «sie müssen sich immer drehen und winden, um ihre Botschaft zu übermitteln».
1.000 Stockhiebe
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz würdigte Badawi als «Symbolfigur für die Menschen, die weltweit für die Grundrechte kämpfen». Die Schließung seiner Webseite sei ein großer Verlust für die Meinungsfreiheit in seiner Heimat. Schulz forderte das islamisch-konservative Königreich auf, Badawi freizulassen. Haidar erklärte, sie habe Zeichen erhalten, dass ihr Mann bald freigelassen werden könnte. Sie lebt mit den drei gemeinsamen Kindern im kanadischen Exil.
Der Blogger und Menschenrechtsaktivist wurde 2014 zu zehn Jahren Haft und 1.000 Stockhieben verurteilt. Er soll angeblich den Islam beleidigt haben. Die ersten 50 Stockhiebe hatte er im Januar erhalten, die weitere Bestrafung wurde vorläufig ausgesetzt, offiziell aus Gesundheitsgründen.
Zu Demaart
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