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Schnell gelebt und schnell gestorben

Schnell gelebt und schnell gestorben
(AP/Chris Pizzello)

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Er war eine Legende, doch die wilden Jahre im Rock'n'Roll-Zirkus haben ihre Spuren hinterlassen. Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister ist tot. Er starb im Alter von 70 Jahren. Der Musiker litt an Tumoren in Kopf und Nacken.

Knallhart und höllisch laut – das war das Markenzeichen seiner Musik. Aber zuletzt wirkte Lemmy Kilmister verbraucht und ausgelaugt. «Wenn du denkst, dass du zu alt bist für Rock’n’Roll, dann bist du es», hat der Motörhead Sänger einmal gesagt. Jetzt ist der Frontmann und Bassist tot. Er war das Gesicht der Heavy-Metal-Generation schlechthin – und das über vier Jahrzehnte lang.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag sei Krebs diagnostiziert worden, es sei ein «kurzer Kampf mit einem äußerst aggressiven Krebs» gewesen, teilte die Gruppe auf Facebook mit. Nur zwei Tage später starb er zuhause in Los Angeles, wie Medien übereinstimmend berichteten. Erst an Heiligabend hatte Kilmister seinen 70. Geburtstag gefeiert. Schwer krank war der Rockstar schon seit längerem.

Tumore im Kopf

Wie «Bild.de» berichtet, fanden Ärzte in Los Angeles einige Tage vor seinem Tod Tumore in Kopf und Nacken. Diese seien dafür verantwortlich, dass der gebürtige Brite große Probleme mit dem Sprechen hatte und auf der Bühne kaum mehr zu verstehen war. Seine letzten Stunden habe er mit Freundin Cheryl und Sohn Paul verbracht, so die Zeitung weiter.

Sex and Drugs and Rock’n’Roll: Kilmisters Exzesse mit Drogen, Alkohol und Frauen waren legendär. Auch vier Jahrzehnte praktisch auf Dauer-Tour hatten ihn gezeichnet. Diabetes setzte ihm schwer zu, erschöpft brach er Konzerte ab. «Am Ende forderte alles seinen Tribut», meinte die Londoner Zeitung «Independent». «Er hat schnell gelebt und er ist schnell gestorben», kommentierte die BBC.

Zanlücke und Warzen

Allein das Bild, das er auf der Bühne abgab, ist unvergesslich: Sein hagerer, verschwitzter Körper, sein Gesicht, seine Mimik, wenn er sang. Schön war er nicht. Vorne rechts hatte er eine Zahnlücke, auf der linken Wange zwei große Warzen. Das Mikrofon stellte er ein wenig zu hoch vor sich, er musste sich strecken, um es zu erreichen. Er habe das getan, weil er es cool fand.

Wie kein anderer verkörperte der Sohn eines Militärpfarrers bei der Royal Air Force die wilde Heavy-Metal-Ära. In seiner Jugend in London sah er noch die Beatles, zeitweise arbeitete er als Bühnenarbeiter für Jimi Hendrix. Aus der Band Hawkwind wurde er rausgeworfen, weil er an der kanadischen Grenze mit Kokain erwischt worden war. Aus Rache gründete er Motörhead, das war 1975. Das deutsche Ö, das es im Englisch nicht gibt, habe er ausgewählt, weil es «gemeiner» aussah, wie er später einmal bekannte.

Stimme rau, Songs hart

Doch das wirklich Besondere an Lemmy und den Motörhead: Ihr Stil hat sich niemals geändert, sie blieben sich immer treu. 22 Alben produzierte Kilmister, seine größten Erfolge waren «Ace of Spades» (1980) und «No Sleep ‚til Hammersmith» (1981). Und immer war die Stimme rau, die Songs waren hart, wild – und vor allem: sehr laut.

Allein die Nachrufe seiner Musikerkollegen sprechen Bände. «Er war ein Krieger und eine Legende. Ich werde Dich auf der anderen Seite sehen», twittert Black-Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne. Seine eigene Band schreibt auf Facebook, sie könne den Tod noch gar nicht fassen, erst später wolle man sich ausführlicher äußern.

Von Whiskey auf Wodka

Doch den Fans rät sie schon mal: «Spielt Motörhead laut, spielt Hawkwind laut, spielt Lemmys Musik laut. Nehmt einen Drink oder mehrere.» Kilmister lebte auf volles Risiko – und er wusste es. Zuletzt «mäßigte» er seine Alkoholgewohnheiten ein wenig, wenn auch auf sehr bemerkenswerte Art. Noch im August dieses Jahres äußerte er sich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Frage: «Wie hat sich Ihr Leben in den vergangenen zwei Jahren geändert?» Antwort: «Ich bin von Whiskey auf Wodka umgestiegen.»

Den Begriff Heavy Metal übrigens mochte Kilmister überhaupt nicht, er sprach lieber vom dreckigen Rock’n’Roll. «Wir haben keine besonderen künstlerischen Scheiß-Tricks auf Lager», meinte er einmal auf seine bekannt herbe Art. Laut und schrill, so war seine Musik immer gewesen. Und sein Leben.