Freitag30. Januar 2026

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Eine «geschönte Sicherheitsbewertung»

Eine «geschönte Sicherheitsbewertung»
(Reuters/Francois Lenoir)

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Die Grünen erhöhen mit einem neuen Gutachten den Druck auf Belgien, die zwei jüngst wieder angefahrenen umstrittenen Atommeiler in Doel und Tihange endgültig stillzulegen.

Die Materialfehler der Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 hätten sich nach neuen Erkenntnissen während des Betriebs gebildet oder zumindest vergrößert, heißt es in der am Donnerstag in Brüssel vorgestellten Studie. Da ein weiteres Wachstum der Defekte nicht ausgeschlossen werden könne, sei die Erlaubnis zum Wiederanfahren durch die belgische Atomaufsicht AFCN nicht nachvollziehbar, folgert das Gutachten der Materialwissenschaftlerin Ilse Tweer, das diese im Auftrag der Grünen-Fraktion im Europaparlament erstellt hatte.

Tweer wirft der belgischen Atomaufsicht und Betreiber Electrabel zudem verschiedene nicht nachvollziehbare Beurteilungen vor. Die Defekte in den Wänden der Reaktorbehälter, die die AFCN als «Wasserstoffflocken» beschreibt, waren 2012 entdeckt worden. Nach verschiedenen Tests gab die AFCN aber Ende 2015 grünes Licht und die Reaktoren wurden wieder angefahren.

Kritik aus Luxemburg

Belgiens Atomaufsicht geht davon aus, dass die Materialfehler schon beim Bau der Reaktoren vor mehr als drei Jahrzehnten entstanden sind und die Sicherheit nicht beeinträchtigen. Die Grünen wollen das neue Gutachten nun Luxemburg, Deutschland, den Niederlande und Frankreich zukommen lassen, um den politischen Druck zu erhöhen, wie Fraktionschefin Rebecca Harms auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Tweer ankündigte.

«Die Studie kommt zu dem klaren Resultat, dass noch immer kein Nachweis dafür erbracht werden kann, wie und wann die Risse im Reaktordruckbehälter entstanden sind, ob sie sich während des Betriebs des Reaktors verändert haben oder in Zukunft noch verändern werden,» so der Luxemburger EU-Abgeordnete Claude Turmes.

«Geschönte Sicherheitsbewertung»

Der Stahl sei von derart schlechter Qualität, dass die Reaktordruckbehälter schon bei Inbetriebnahme der Reaktoren nicht genehmigungsfähig gewesen wäre, heißt es weiter. «Wer auf ungeklärte Probleme mit einer geschönten Sicherheitsbewertung reagiert, bringt Tausende von Menschen in Gefahr, betont Turmes.

Doel ist rund 240 Kilometer, Tihange etwa 90 Kilometer von der Grenze zu Luxemburg entfernt. Belgien verfügt in Doel und Tihange über insgesamt sieben Reaktoren. Spätestens 2025 sollen im Zuge des Atomausstiegs sämtliche Meiler abgeschaltet sein.