Samstag31. Januar 2026

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«Drastische Nullrunde» für Milchbauern

«Drastische Nullrunde» für Milchbauern
(dpa/Arno Burgi)

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Niedriger Milchpreis und steigende Produktionskosten bereiten der Milchbauern in Luxemburg große Sorgen. Für 2015 beklagen sie Verluste in Höhe von rund 25 Millionen Euro.

Die Zahlen sind alarmierend: «Der durchschnittliche Milchpreis lag 2015 bei 30, 13 Cent/Kilogramm», schreibt die «Bauerenallianz» in einer Mitteilung am Sonntag. Dadurch mussten die Landwirte in Luxemburg im verganenen Jahr einen Verlust von rund 25 Millionen Euro brutto hinnehmen.

Die andere schlechte Nachricht in dem Schreiben betrifft die sogenannten Produktionskosten. Diese Zahlen hat das Büro für Agrarsoziologie errechnet. Demnach lagen die Produktionskosten für die Referenzperiode bis September 2015, bei 44, 37 Cent/Kilogramm. Hingegen zahlten die Molkereien den Landwirten für ihre Milch nur 29,01 Cent. Macht unter dem Strich eine Kostendeckung von 65 Prozent, die über den Milchpreis erwirtschaftet wird, so das Fazit in der Mitteilung.

«Nackte Zahlen»

«Wir wollen die Lage nicht dramatisieren. Aber: das sind die nackten Zahlen», sagt Camille Schroeder von der «Baueren-Allianz» am Montag gegenüber Tageblatt.lu. «Wir haben am Freitag die offiziellen Daten für das Jahr 2015 vom zuständigen Service d’Economie Rurale (SER) bekommen», berichtet Schroeder. Demnach ist der Milchpreis von 2013 bis 2015 um etwa 8 Cent/Kilogramm gefallen, was zum Verlust in Millionenhöhe geführt hat.

«Und der Milchpreis fällt weiter», so Schröder nüchtern. Die Landwirtschaftsorganisationen haben im vergangenen Jahr immer wieder auf diese Entwicklung hingewiesen (Link). Vonseiten der Politik wurden sie hingehalten. «Immer wieder hieß es ‚Wartet ab‘. Jetzt sind die offiziellen Zahlen da und sie bestätigen unsere Sorgen», stellt Camille Schroeder fest.

«Drastische Nullrunde»

Die Landwirte haben «nur ein Einkommen» und das ist der Verkauf ihrer Produkte, wie in diesem Fall die Milch. Fällt deren Preis, schrumpft auch das Einkommen, erklärt Schroeder. Der Milchpreis fiel von 38,12 Cent/Kilogramm im Jahr 2014 auf 30,13 Cent 2015. Noch 2013 lag er bei 37,56 Cent/Kilogramm. Für das Portemonnaie der Landwirte bedeutet das eine «drastische Nullrunde», so der Landwirt.

Derzeit sieht die aktuelle Marktlage so aus, dass das Angebot größer ist als die Nachfrage. Grund dafür ist unter anderem auch der Wegfall der Milchquoten in Europa im vergangenen Jahr. Die Produktion in Luxemburg stieg 2015 auf insgesamt 334 Millionen Kilogramm gegenüber noch 306 Millionen im Jahr 2014. Das ergibt ein Plus von mehr als 10 Prozent, rechnet die Baueren-Allianz vor.

Neues Agrar-Gesetz

Hinzu kommt, dass die «Weltmarktpreise für Milchprodukte nicht in Schwung kommen», heißt es. «Hält diese Situation an, wird die Landwirtschaft in Luxemburg nicht mehr diese sein, die wir bisher kannten», gibt Schroeder zu bedenken. «Die Landwirte haben in ihre Betriebe investiert und müssen Kredite zurück zahlen». Man könne als Bauer vorübergehend die durch den Milchpreis entstandenen Verluste ausgleichen und Investitionen zurückfahren. Müssten diese aber über Jahre geschultert werden, wird es immer enger, schildert der Vertreter der «Baueren-Allianz».

Deshalb ist das neue Agrar-Gesetz so wichtig, betont Schroeder. «Denn staatliche Hilfe bedeutet Investitionen. Wird diese gekürzt, werden die Investitionen zurückgefahren.» Investiere man als Landwirt über einigen Jahren nicht mehr in den Betrieb, kann es passieren, dass man den Anschluss verliert und möglicherweise irgendwann ganz den Betrieb dicht macht. Deshalb ist es so wichtig, dass das neue Gesetz den Menschen in der Landwirtschaft hilft, betont der Camille Schroeder.