Donnerstag29. Januar 2026

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Umstrittene Molekularkriminalistik

Umstrittene Molekularkriminalistik
(François Aussems)

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Gestern war der Tag der Gutachter im Prozess gegen die vier Bankräuber, die dem „grand banditisme“ des Bassins der Roten Erde zwischen Charleroi und Lüttich zugerechnet werden.

Die vier mutmaßlichen Räuber, die nun vor Gericht stehen, hatten im April 2013 mit Pistolen und Schnellfeuergewehren des Typs Kalaschnikow und Uzi die Zentrale des G4S-Sicherheitsdienstes auf der Cloche d’Or in Gasperich überfallen.
Durch eine Verwechslung in der Notrufzentrale waren die für einen solchen Einsatz nur spärlich ausgerüsteten Streifenpolizisten zuerst zu einer anderen Sicherheitsfirma nach Hamm gefahren. Als sie später dann in Gasperich ankamen, wurden sie sogleich unter Dauerfeuer genommen. Es war laut Polizei purer Zufall, dass niemand verletzt wurde.

Genetischer Fingerabrdruck

Für eine DNS-Analyse (DNS = Desoxyribo-Nuklein-Säure) im Laboratorium genügen winzige Mengen an Körperzellen wie z.B. Blut- oder Speichelspuren, Hautfetzen oder Haare, die am Tatort gefunden werden.
Das im englischen Sprachgebrauch DNA (Desoxyribo-Nucleic-Acid) genannte Molekül ist eines der wichtigsten der Welt. Ohne es gäbe es nämlich kein Leben. Es enthält die gesamte Erbinformation der Lebewesen.
Der chemische Aufbau ist dann auch bei Mensch, Pflanze oder Bakterie identisch. Doch ist die molekulare Kriminalistik nicht nur bei Strafverteidigern, sondern auch bei Teilen der Experten umstritten.

Von den insgesamt sechs Tätern stehen deren vier nun vor Gericht, von denen sich wiederum nur zwei in Untersuchungshaft befinden. Der heute 45-jährige Dougan S., der 36-jährige Anouar B., der 27-jährige Simon S. und der 31-jährige Cihan G. konnten damals ungehindert, doch ohne Beute entkommen. Auf ihrem Fluchtweg über Garnich hatten sie ebenfalls ihre Waffen eingesetzt.

Tag der „Experten“

Als erster trat ein Waffen- und Munitionsexperte in den Zeugenstand. Von den insgesamt aus drei Waffen abgegebenen 85 Schüssen stammten drei Hülsen aus einer Kalaschnikow, die auch bei einem Überfall in Belgien benutzt wurde, erklärte der Sachverständige.

Ein weiterer Experte hatte die DNS-Spuren u.a. an Handschuhen, Lampen, T-Shirts, Sicherheitswesten, Pistolen und Munitionsmagazinen analysiert. Da es sich bei der DNS-Analyse aber um keine genaue Wissenschaft handelt, sprach der Zeuge von einer „statistique peu raisonable“, bei der kein 100-prozentiges Resultat erzielt werde. Auf Fragen der Verteidiger fixierte der Gutachter dieses auf 50/50. Doch laut dieser Quote wurden aus den von den Ermittlern eingereichten Profilen die Angeklagten Simon S. und Cihan G. identifiziert.

DNS konnte nicht zugeordnet werden

Eine Expertin des Luxemburger Laboratoriums hatte des Weiteren Spuren von den beiden zusammen mit Spuren von Dougan S. auf dem Verschluss eines in Garnich zurückgelassenen Benzinkanisters „isoliert“. Auf der Batterie wurden indes nur drei schwache DNS-Spuren gefunden, die nicht zugeordnet werden konnten.

Es waren dann ein französischer und ein Schweizer Gegenexperte, die in den Zeugenstand traten. Während der Gutachter aus dem Hexagon die Luxemburger Methodologie eher positiv bewertete, war der in Lausanne lehrende und forschende Eidgenosse schon etwas kritischer. Doch kamen die Experten überein, dass die richtigen Leute auf der Anklagebank sitzen. Der Prozess wird am heutigen Donnerstag mit weiteren Experten fortgesetzt.