So bemerkenswert sein Aufstieg vom Bauernjungen zum Präsidenten war, so erfolgreich ist seine Bilanz. Doch nun haben die Bolivianer den Prognosen zufolge in einem Referendum eine vierte Amtszeit für den Sozialisten abgelehnt – bei der Präsidentenwahl 2019 darf der lange Zeit hoch angesehene Politiker wohl nicht erneut kandidieren. Morales wuchs als Sohn einer armen Bauernfamilie von Aymara-Indianern in der südlichen Provinz Oruro in einem kleinen Dorf ohne Strom und fließendes Wasser auf.
Als kleiner Junge hütete er Lamas, später wurde er Koka-Bauer. Von seinen sieben Geschwistern starben vier an Krankheit oder Unterernährung. «Bis ich 14 war, wusste ich nicht, dass es Unterwäsche gibt», schrieb Morales in seiner Autobiografie. «Meine Mutter zog mich nur aus, um Flöhe zu suchen oder meine Kleidung an Ellenbogen und Knien zu flicken.» Anfang der 80er Jahre floh Morales vor einer Dürre in die nördliche Provinz Chapare. Dort lernte er nach einer Privatisierungswelle die Not tausender entlassener Grubenarbeiter kennen, wurde Chef der Koka-Bauernverbände. 1997 folgte die Wahl ins Parlament. Der Sozialist organisierte Proteste mit wochenlangen Straßenblockaden.
Weiteres Mandat
Im Januar 2006 wurde Morales mit 53 Prozent der Stimmen zum Präsidenten des Andenstaats gewählt. 2009 und 2014 wurde er im Amt bestätigt. Für ein weiteres Mandat wäre nun eine Verfassungsänderung erforderlich gewesen: Bislang sieht die bolivianische Verfassung nur zwei Amtszeiten vor. Morales‘ erste Wahlperiode wird nicht mitgezählt, weil die Verfassung damals in der aktuellen Form noch nicht in Kraft war. Sein Wahlziel von 70 Prozent Zustimmung bei dem Referendum dürfte Morales weit verfehlt haben.
Dabei hat der erste von Ureinwohnern abstammende Staatschef dem südamerikanischen Land eine nie dagewesene politische und wirtschaftliche Stabilität gebracht und Millionen seiner Landsleute neue Hoffnung gegeben. Als er 2006 die Amtsgeschäfte übernahm, war Bolivien noch ein Armenhaus Lateinamerikas, die Ureinwohner waren systematisch benachteiligt. «Heute haben wir Würde. Niemals wieder werden wir Bettler sein, niemals wieder gedemütigt», sagte er später voller Stolz. Die Verstaatlichung des Öl-, Gas- und Bergbausektors zählt zu seinen wichtigsten Maßnahmen. Die Exporterlöse investierte Morales unter anderem in Sozialprogramme. Denn sein wichtigstes Ziel ist und bleibt der Kampf gegen die Armut. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der begeisterte Freizeitfußballer unermüdlich im Einsatz.
schwarzes Haar
Oft hat er schon um 05.00 Uhr morgens seine ersten Termine. Nicht selten hält er sich an einem Tag an fünf verschiedenen Orten auf. Seinem Stil ist er im Amt treu geblieben: dichtes schwarzes Haar kombiniert mit bunter, traditioneller Anden-Kleidung. Und auch politisch blieb er bei seiner Linie: Er kämpft für eine internationale Entkriminalisierung des Koka-Anbaus, stichelt gegen seinen Lieblingsfeind USA und knüpft neue Bündnisse mit dem Iran, Russland und China. Gegner werfen Morales allerdings vor, dass es ihm nicht gelungen sei, Unsicherheit, Drogenhandel und Korruption zu bekämpfen.
In letzter Zeit hat sich Morales in der Bevölkerung auch mit diversen Affären unbeliebt gemacht. So soll der Präsident unter anderem seine Ex-Freundin Gabriela Zapata begünstigt haben. Zapata gehört inzwischen zur Führungsriege des chinesischen Unternehmens CAMC, das mit der Regierung Boliviens Verträge in einem Wert von mehr als 500 Millionen Euro abgeschlossen hat. Bevor die Affäre mit Zapata bekannt wurde, hatte Morales stets nur wenig über sein Privatleben verraten. «Ich bin mit Bolivien verheiratet», sagte er gern. Die Liebe der Bolivianer zu ihrem Präsidenten scheint jedenfalls langsam zu vergehen.
Zu Demaart
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