Landwirte in Luxemburg haben es schwer. Immer mehr Auflagen, immer mehr Konkurrenz aus dem Ausland und immer weniger Mittel, um in einem globalen Umfeld bestehen zu können. Einige Landwirte, die bisher als Milchbauern tätig waren, sattelten um und bauen jetzt nur Gemüse an. Aber auch dieser Neuanfang war nicht einfach.
Der Markt
Gemüseproduktion (2014)
– 66,42 Hektar
– 2.552 Tonnen
Obstproduktion
– 315 Hektar
– 3.093 Tonnen
Blumenzüchter
– 11 Betriebe
– 3 Hektar
Es sei eine eigenständige landwirtschaftliche Aktivität, so François Kraus, Verantwortlicher für den Gemüseanbau bei der ASTA gegenüber dem Tageblatt. Um Erfolg zu haben, seien ein guter Businessplan, eine klare Vorstellung des Gemüses, das man anpflanzen will, und viel Erfahrung notwendig. Wasser sei bei allen Arten wichtig. Feldgemüse sei aber etwas einfacher zu bewirtschaften. Es gebe trotzdem viele „Risiken“ wie Wetterkapriolen, Schädlinge usw.
Mehrwert
In Luxemburg wird bei der Schädlingsbekämpfung aber eher selten zur chemischen Keule gegriffen, freut sich der Experte. Die Rahmenbedingungen in Luxemburg erlauben es außerdem nicht, zu Weltmarktpreisen Gemüse zu produzieren oder zu vermarkten. Spezielle finanzielle Hilfen für den Gemüseanbau gibt es keine. Im Rahmen der „normalen“ Agrarhilfen würden aber auch die Gemüsebauern unterstützt. Sie erhalten so zum Beispiel eine Landschaftspflege-Prämie, Hilfen beim Bio-Anbau und Unterstützungen bei großen Investitionen.
Um als reiner Gemüsebauer zu bestehen, müssen die Produkte einen Mehrwert bieten, erläutert Kraus. Und hier setze man hierzulande große Hoffnungen auf die Qualität der Erzeugnisse, auf die regionale Produktion und auf das Züchten von Biogemüse. Es gehe darum, Nischen zu besetzen, so Kraus. Handelsketten wie Cactus würden sich um die „produits du terroir“ reißen. Und auch bei der Provençale und Grosbusch zum Beispiel lege man viel Wert auf den Verkauf von solchen Produkten.
Umstellung
Und die Konsumenten scheinen dies zu schätzen. „Bei diesem Gemüse weiß man, wo es herkommt“, erklärte eine Kundin in einem Supermarkt. Nicht ganz jedoch. Der Hersteller bleibe dem Verbraucher oft noch verborgen, so François Kraus. Die zuständigen Behörden (Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium) würden aber immer genau wissen, von wo genau das Gemüse herkommt. Die Lebensmittelsicherheit sei garantiert.
Etwa 60 Betriebe pflanzen in Luxemburg Gemüse an, das dann in den Läden, auf den Höfen oder auf den Märkten verkauft wird. Unter den Herstellern befinden sich Beschäftigungsinitiativen. Zu den größten Gemüse-Bauern zählen der Betrieb Erpelding aus Tüntingen und die Familie Kirsch aus Luxemburg. Aber auch viele kleinere Landwirte hätten auf „Gemüsebauer“ umgestellt. Und die Zahlen würden zeigen, dass es immer mehr werden, so der Verantwortliche für den Gemüseanbau bei der ASTA.
Fleischesser
Luxemburg ist traditionell ein „Fleischesser-Land“. Aber es wird auch viel Gemüse gegessen, etwa 110 Gramm pro Tag. Jedes Jahr landen etwa 22.000 Tonnen hierzulande auf den Tellern. Die Gemüseherstellung in Luxemburg reicht nicht aus, um den Bedarf der Bevölkerung abzudecken, erklärt der Experte. Darum wird viel Gemüse importiert, vor allem aus den Nachbarländern und aus den Niederlanden.
Es werden aber auch Waren von weit her angeliefert, wie Tomaten aus Marokko oder Bohnen aus Kenia. Aber auch hier steht die Lebensmittelsicherheit im Mittelpunkt. Pestizide und andere Schadstoffe werden streng kontrolliert, beim Import und in den Geschäften.
Zu Demaart
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