Dienstag27. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Balkanroute für Flüchtlinge weitgehend abgeriegelt

Balkanroute für Flüchtlinge weitgehend abgeriegelt
(AP/Thanassis Kamvyssis)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Europa macht dicht – doch die Verzweiflung der Flüchtlinge kennt keine Grenzen: Im Zentrum Athens springen zwei Männer aus Pakistan mit Schlingen um den Hals von einem Baum.

Mitten im Zentrum haben zwei junge Männer versucht, sich das Leben zu nehmen, indem sie sich auf dem zentralen Viktoriaplatz an einem Baum aufhängten: Dafür warfen sie ein zusammengeknüpftes violettes Band mit einer Schlinge über einen dicken Ast, kletterten auf den Baum und sprangen mit der Schlinge um den Hals herunter , wie griechische Medien berichten.

Andere Flüchtlinge verhinderten das Schlimmste, indem sie die beiden Männer aus Pakistan von unten stützten. Einer der beiden Flüchtlinge fiel wegen Sauerstoffmangels dennoch in Ohnmacht. Alarmierte Sanitäter kümmerten sich anschliessend um die beiden Männer.

Obergrenze eingeführt

Das Motiv der beiden Männer: Verzweiflung über ihre aussichtslose Lage. Allein am Viktoriaplatz harren Hunderte Menschen aus, um dann nach Mitteleuropa zu ziehen. Die Balkanroute für Flüchtlinge schließt sich. Nach Angaben Serbiens dürfen ab sofort nur noch 500 Migranten pro Tag auf diesem Weg nach Österreich und Deutschland reisen.
«Gestern Abend haben wir diese Information von der kroatischen Polizei erhalten, die ihrerseits diese Nachricht von der slowenischen Polizei bekommen hatte», sagte Serbiens Innenminister Nebojsa Stefanovic am Freitag in Belgrad. Mazedonien hat die Grenze zu Griechenland bereits weitgehend geschlossen; nur noch Syrer und Iraker dürfen vereinzelt passieren.

Damit droht sich die Lage der Flüchtlinge in Griechenland weiter zu verschärfen. Weil sie auf der Balkanroute nicht mehr weiterkommen, sitzen in dem krisengeschüttelten Land nach Schätzungen der Behörden inzwischen rund 20 000 Menschen fest – und täglich treffen neue Migranten aus der Türkei auf den Ägäisinseln ein.

Blutige Gewaltausbrüche

Zudem harren mehr als 4000 Migranten an der Grenze zu Mazedonien bei Idomeni aus. Dort kam es in der Nacht zum Freitag zu Schlägereien und Messerstechereien unter Flüchtlingen, wie das Staatsradio berichtete.
Griechenland wirft Österreich vor, die Blockade mit dem umstrittenen Balkan-Treffen am Mittwoch in Wien vorangetrieben zu haben. Einen Tag nach dem Rückzug der griechischen Botschafterin aus Wien lehnte die Regierung in Athen einen Besuch der österreichischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in Griechenland ab.

Nach Darstellung des Innenministeriums in Wien hatte Mikl-Leitner angeboten, «für ein offenes Gespräch nach Griechenland zu kommen». Es wäre darum gegangen, die bekannte österreichische Position auch direkt in Athen zu erläutern, teilte das Ministerium mit. Falls Athen einen solchen Kontakt zu einem späteren Zeitpunkt bevorzuge, sei das «völlig legitim.»

Blockade auf der Balkanroute

In Griechenland versuchen die Behörden immer verzweifelter, den Rückstau an Flüchtlingen zu bewältigen. Dazu werden fünf neue Aufnahmelager an der Grenze gebaut; zugleich sollen viele Flüchtlinge zunächst auf den Inseln in der Ostägäis bleiben. Dort sollen sie auf drei großen Fähren untergebracht werden, die in den Häfen der Inseln Lesbos, Chios und Samos angelegt haben.

Die weitgehende Blockade auf der Balkanroute hat dazu geführt, dass auch die Flüchtlingszahlen in Österreich und Deutschland stark zurückgegangen sind. In den vergangenen sieben Tagen seien insgesamt nur rund 3000 Flüchtlinge am Grenzübergang Spielfeld angekommen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag in Wien.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass künftig mehr Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Zentralasien auch nach Russland kämen, sagte der Leiter der Einwanderungsbehörde, Konstantin Romodanowski, in Moskau. «Wir müssen auf die Gefahren gefasst sein, die von unkontrollierten Migrationsprozessen in Europa ausgehen.»

Lesen Sie auch:

Dossier Flüchtlingskrise in Europa