Sonntag1. Februar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

EDF verschwieg schwere Panne im Atomkraftwerk

EDF verschwieg schwere Panne im Atomkraftwerk
(AP/Winfried Rothermel)

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Erst jetzt weiß man, wie dramatisch ein Zwischenfall im französischen Atomkraftwerk Fessenheim wirklich war. Eine normale Abschaltung war bereits unmöglich.

Eine Panne im umstrittenen Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass vor knapp zwei Jahren war offenbar wesentlich dramatischer als bislang bekannt. Dies geht aus einem Bericht hervor, den die «Süddeutsche Zeitung» am Freitag veröffentlichte. Demnach waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eins Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig.

Der Block wurde schließlich erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet – ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Auf der 8 Stufen zählenden internationalen Störfallskala INES wurde der Vorfall lediglich auf Niveau 1 eingestuft.

Nicht informiert

Die Überschwemmung habe damals eine «Abfolge von technischem Versagen und Chaos» nach sich gezogen, hieß es in dem Bericht der «SZ», die sich auf gemeinsame Recherchen mit dem Westdeutschen Rundfunk berief. So sei eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme ausgefallen, weil Wasser in Schaltschränke gelaufen war.

Der deutsche Reaktorexperte Manfred Mertins sagte der SZ, ihm sei in Westeuropa kein anderer Fall bekannt, bei dem ein Reaktor durch Zugabe von Bor heruntergefahren werden musste. Offenbar sei eine betriebliche Abschaltung des Reaktors nicht mehr möglich gewesen. Die französische Behörde für Atomaufsicht ASN war nach dem Störfall vom April 2014 zunächst offenbar weder vom Stromkonzern EDF noch von der Leitung des Akw über das ganze Ausmaß der Panne informiert worden. Erst auf Nachfrage erfuhr die ASN ihrer Website zufolge Details zu dem Ablauf – gut zwei Wochen nach dem Vorfall.

Versprechungen

Die Schließung des Akw Fessenheim am Oberrhein wird von Umweltschützern schon seit Jahren gefordert. Sie verweisen auf die zahlreichen Störfälle der beiden Reaktoren, die Ende der 70er Jahre in Betrieb genommen wurden und damit die ältesten in Frankreich sind.

Der sozialistische französische Präsident François Hollande hatte während seines Wahlkampfes versprochen, das Akw bis Ende seiner Amtszeit im Frühjahr 2017 zu schließen. Umweltministerin Ségolène Royal machte aber klar, dass eine Stilllegung erst in Frage kommt, wenn der Europäische Druckwasserreaktor im nordfranzösischen Flamanville ans Netz geht. Dessen Fertigstellung verzögert sich jedoch seit Jahren.