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«Ich war nicht der Kleine»

«Ich war nicht der Kleine»
(SWR)

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Die Karriere des 28-jährigen Luxemburgers Max Thommes läuft gerade gut. Am Ostermontag ist er im neuen Tatort aus Freiburg neben Heike Makatsch zu sehen.

Sind Sie ein Tatortfan?

Mich hat das früher nicht so gecatcht. Es war eher nicht so mein Ding. Ich kenne den Tatort vor allem durch meine Eltern. Sie schauen das jeden Sonntag mit Freunden.

Was war denn dann die Motivation mitzuspielen?

Als in Deutschland lebender Schauspieler ist es großartig in einem Tatort dabei zu sein, vor allem in einer so stimmigen Produktion und außerdem mache ich meinen Eltern eine Freude.

Sie wurden zum Casting eingeladen und waren einer von zwei Bewerbern. Haben Sie eine Idee, warum die Wahl auf Sie fiel?

(…) Da müssen Sie andere Leute fragen. Auf jeden Fall wurde mir gesagt, der Darsteller darf nicht zu machomäßig rüberkommen. Ich sitze ja in dem Film im Rollstuhl und sie wollten jemand, der leicht damit umgehen kann. Und jemanden, der auch ein Freund der Kommissarin sein könnte.

Das war ihre erste deutsche Fernsehproduktion. Eine völlig neue Erfahrung?

Nicht wirklich. Natürlich wird beim Fernsehen schneller gearbeitet als beim Film. Da hat man eine andere Vorbereitungszeit und am Set viel mehr Zeit. Aber es war alles in allem eine große Erfahrung.

Warum?

Der Regisseurin (Katrin Gebbe, Anm. der Red.) war es wichtig, dass wir uns am Set Zeit nehmen, um mit den Schauspielern zu arbeiten. Das war wirklich ein großer Luxus. Von daher war es jetzt kein so großer Unterschied zum Film.

Bevorzugen Sie eines von beiden?

Nein. Für mich ist es das Wichtigste, das die Rolle passt, dass das Projekt mich anspricht und ich daraufhin Lust habe, Zeit und Energie zu investieren. Ich muss auch am Ende mit dem Produkt zufrieden sein können. Da ist es mir dann egal, ob es gestreamt wird, oder im Fernsehen läuft oder es überhaupt niemand sieht.

Sie ermitteln im Rollstuhl. Wie war denn das Training?

(lacht …) Das war eine spannende Erfahrung, auch wenn alles sehr knapp war. Von der Zusage bis Drehbeginn hatte ich zwei Wochen, um mich vorzubereiten. Ich habe ziemlich schnell einen Proberollstuhl bekommen, den ich hier in meiner Berliner-WG stehen hatte. Damit bin ich dann mit meinen Mitbewohnern einkaufen gegangen oder eine Runde im Park spazieren. Ich wollte aber nicht, dass sie mich permanent schieben.

Warum?

Mich haben eher die Reaktionen der Leute interessiert. Ob sie einem helfen oder nicht. Wenn Rollstuhlfahrer etwas nicht wollen, dann ist es Mitleid. Sie müssen damit umgehen, es gehört zu ihrem Leben und sie entwickeln darüber Stärke.

Kannten Sie ihre Kollegin Heike Makatsch von anderen Gelegenheiten?

Nein gar nicht. Aber sie ist eine sehr angenehme, professionelle Schauspielerin und super hilfsbereit. Die Dreharbeiten liefen sehr auf Augenhöhe. Ich war nicht der „Kleine“. Sie ist auf jeden Fall keine Diva, das mag ich sehr.

Worum geht es denn im Freiburger Tatort?

Es geht um Immobilienspekulation und wie Stadtteile für sozial Schwächere praktisch „unbewohnbar“ werden, weil sie die Miete nicht bezahlen können. In Freiburg ist das sehr aktuell – wie wohl überall. Ein zweites Thema sind bestimmte sexuelle Praktiken, die mit dem Tod enden können. Ist das dann noch ein Spiel?

Sie haben als Schüler in einer Band gespielt. Warum ist es nicht bei einer Musikerkarriere geblieben?

Es gab einen Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass es sehr schwer ist, als Profi-Musiker den Lebensunterhalt zu verdienen. Hinzu kommt, dass eine Band ein Kollektiv ist. Man entscheidet also nicht nur für sich. Aber ich mache immer noch Musik. Es ist mir superwichtig.

Sie stehen in Leipzig auf der Bühne, haben in „Grexit“ mitgespielt und jetzt der Tatort. Wo leben Sie?

In Berlin. Und auf der Straße. Und aus dem Koffer. Ich bin momentan sehr viel unterwegs – auch in meiner Freizeit. Ein Stubenhocker bin ich nicht.

Publicity gab es ja nun genug für den Film. Hoffen Sie auf viele Zuschauer aus Luxemburg?

Ja klar! Es ist toll wenn man von zuhause hört „wir haben jemanden im Tatort“.

Wo sind Sie denn, wenn der Film ausgestrahlt wird?

In meiner Stammkneipe hier in Berlin. Dort wird ein Public Viewing veranstaltet.