Nach Enthüllungen aus den «Panama Papers» hat der britische Premierminister David Cameron am Wochenende seine Steuererklärungen der vergangenen sieben Jahre veröffentlicht. Damit will er die Kritik an seinen früheren Investitionen in Steueroasen entschärfen. Die Opposition im Parlament will den Konservativen am Montag dennoch zur Rede stellen.
In den seit rund einer Woche bekannten vertraulichen Papieren einer Beratungsfirma in Panama war auch ein Offshore-Fonds von Camerons verstorbenem Vater Ian aufgetaucht. Das Büro des Premiers wich Fragen dazu tagelang aus, bis Cameron schließlich einräumte, er habe selbst zwischen 1997 und 2010 Anteile an einer Investmentgesellschaft seines Vaters auf den Bahamas besessen. Diese habe er aber 2010 – wenige Monate vor seinem Amtsantritt – verkauft und den Gewinn regulär in Großbritannien versteuert.
Dreiseitige Zusammenfassung
Die dreiseitige Zusammenfassung der Einkünfte und Steuerzahlungen von Cameron seit 2009 weist 9501 Pfund Gewinn aus dem Verkauf der Anteile 2010 aus. Nach heutigem Kurs sind das rund 11 800 Euro. Camerons Frau weist einen ebenso großen Gewinn aus. Damit lagen beide knapp unter der Grenze, bei der eine Kapitalertragssteuer fällig geworden wäre.
Im vergangenen Steuerjahr hat Cameron laut Aufstellung 75 898 Pfund für steuerpflichtiges Einkommen in Höhe von 200 307 Pfund gezahlt. Davon stammen demnach 150 356 Pfund aus Gehalt und Spesen für das Amt des Premierministers, 46 899 Pfund aus Miete für das Haus der Familie und 3052 Pfund aus Zinsen für Spareinlagen bei einer Londoner Bank.
Verspätete Informationen
Kritik war vor allem an den verspäteten Informationen über sein früheres Investment laut geworden. In einer Rede am Samstag zeigte sich Cameron darüber zerknirscht. «Es war keine tolle Woche», sagte er. «Ich hätte besser damit umgehen können.» Er werde seine Lehren aus den vergangenen Tagen ziehen. Und er fügte hinzu: «Macht nicht Downing Street No. 10 oder namenlose Berater verantwortlich. Beschuldigt mich.»
Die Opposition drängt Cameron, den vollständigen Umfang seiner Investitionen in Offshore-Fonds zu enthüllen. Cameron lehnt es bisher aber ab zu sagen, ob er jemals andere Investitionen in Steueroasen hatte.
Corbyn will auch seine Steuererklärungen veröffentlichen
Oppositionsführer Jeremy Corbyn von der Labour Partei will am Montag Auskunft von Cameron verlangen. Corbyn kündigte ebenfalls die Veröffentlichung seiner Steuererklärungen an. «Und es wird da keine Überraschungen geben», erklärte er.
Ein weltweites Konsortium von Journalisten hatte interne Dokumente der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca ausgewertet, die für Reiche und Mächtige auf der ganzen Welt Briefkastenfirmen angelegt hatte. Das ist legal, doch dienen solche Firmen oft der Verschleierung von Vermögen oder der Steuerhinterziehung.
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