Das Volumen der Einlagen und der Kredite wurde deutlich gesteigert. Der Gewinn blieb fast stabil. Doch die Bank macht sich Sorgen wegen der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.
Am gesamten Finanzplatz Luxemburg erwirtschaften die Banken heute weniger Gewinn als in den Vorjahren, begann Guy Hoffmann, Geschäftsführer der Raiffeisen, die Jahrespressekonferenz der einzigen Luxemburger Genossenschaftsbank. «Wegen des Niedrigzinsumfelds fallen die Einnahmen. Die Kosten hingegen steigen weiter, etwa wegen den zunehmenden Regulierungsanforderungen», so Hoffmann. Und auch die Raiffeisen «kann sich diesen neuen Spielregeln nicht entziehen».
So war der Gewinn der Raiffeisen, in 2015, erstmals seit mehr als zehn Jahren, leicht rückläufig. Insgesamt verbuchte das Institut einen Nettogewinn von 17,6 Millionen Euro – nach 17,9 Millionen im Vorjahr.
Dabei konnte die Bank ihr Geschäftsvolumen letztes Jahr weiter deutlich steigern. Die Bilanzsumme stieg um 8,5 Prozent, die Kundeneinlagen stiegen um 7,8 Prozent und das Volumen der vergebenen Kredite stieg um 4,8 Prozent.
Einen leichten Rückgang gab es bei der erwirtschafteten Zinsmarge zu verbuchen: Sie fiel um 1,1 Prozent auf 92,3 Millionen Euro. Dabei stehen die Zinseinnahmen für rund 80 Prozent aller Einnahmen der Bank.
«Wir müssen täglich 1,5 bis zwei Milliarden Euro bei der Zentralbank parken», so Hoffmann weiter. «Und das bei einem Strafzins von -0,4 Prozent.» Was das kostet, könne sich jeder selbst ausrechnen.
Volumen steigen, Rentabilität fällt
«Wir geben die Negativzinsen aber noch nicht an unsere Kunden weiter», so Hoffmann. «Wir verwöhnen sie.» Da jedoch eine Reihe Luxemburger Banken von ihren institutionellen Kunden Negativzinsen verlangen, «wissen wir noch nicht, wie es weitergehen wird. Die Negativzinsen sind ein gewaltiger Kostenpunkt. Das Thema steht aber noch nicht auf dem Radar.» Bis zum Jahresende könne jedoch noch viel passieren, so der Banker.
Mit einer Veränderung der EZB-Zinspolitik rechnet Raiffeisen in den nächsten paar Jahren nicht.
Die von den Negativzinsen verursachten zusätzlichen Kosten kann die Bank höchstens umgehen, wenn sie in risikoreichere Papiere investieren würde. Das aber würde nicht zu der «vorsichtigen und konservativen Geschäftspolitik» von Raiffeisen passen, unterstreicht das Finanzinstitut.
Die einzige Alternative, die der Bank somit bleibt, ist das Steigern der Geschäftsvolumen. Zu diesem Zweck hat die Bank ein Zukunftspapier namens «Strategie 2020» ausgearbeitet. An drei Punkten soll gearbeitet werden: Die Bank soll attraktiver werden, sie soll sich mehr nach außen zeigen, und die Zugangsmöglichkeiten zu den Bankdienstleistungen sollen ausgeweitet werden.
110.000 Kunden
Die Bank versucht beispielsweise, den Kunden näher an sich zu binden. So hat sie die Zahl der «Mit-Besitzer» der kooperativen Bank letztes Jahr um 6.882 Personen auf 22.373 Mitglieder steigern können. Insgesamt zählt sie rund 110.000 Kunden.
Im Rahmen des Programms Opera, wo Kunden Punkte bei bezahlten Dienstleistungen sammeln können, hat Raiffeisen den Kunden Kosten in Höhe von 0,6 Millionen kostenlos geboten. In diesem Jahr soll die «Rückerstattung» auf eine Million Euro ansteigen, schätzt die Bank.
Auch die neue Partnerschaft mit der Post soll helfen, das Geschäftsvolumen auszubauen.
«Unsere Bank bewegt sich», schlussfolgert Hoffmann. «Wir haben noch viele Ideen und Projekte für die Zukunft.»
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können