Wegen Korruption ist der Ex-Vizechef der Kriminalpolizei von Lyon, Michel Neyret, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Pariser Strafgericht sprach ihn am Dienstag unter anderem schuldig, Kriminelle im Gegenzug für Geld und Geschenke mit vertraulichen Informationen versorgt zu haben.
Hinter Gitter muss der einstige «Super-Flic» (Super-Bulle) aber nicht mehr: Er verbrachte bereits acht Monate in Untersuchungshaft, die verbleibende Strafe muss er nicht im Gefängnis absitzen. «Ich bin erleichtert», sagte Neyret der Nachrichtenagentur AFP nach dem Urteilsspruch. «Heute schließt sich eine fünfjährige Klammer in meinem Leben.»
In der Ehrenlegion
Der Skandal hatte die Lyoner Polizei 2011 schwer erschüttert: Gegen den hoch angesehenen Neyret, der wegen seiner Ermittlungserfolge sogar in die französische Ehrenlegion aufgenommen worden war, wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption eingeleitet.
Dem langjährigen Chef einer Einheit zur Bekämpfung von Bandenkriminalität wurde vorgeworfen, Mitgliedern des Lyoner Milieus vertrauliche Polizeiinformationen zugespielt zu haben – im Gegenzug für Gefälligkeiten, Geld und Geschenke. Zehn Reisen, Aufenthalte in der Villa eines Betrügers mit Luxusautos und Masseurinnen, zwei Luxusuhren, Bargeld und sogar die Gründung einer Offshore-Firma zählte die Staatsanwaltschaft während des Prozesses in Paris auf.
Drogen als Geschenke
Neyret soll sich auch bei beschlagnahmten Drogen bedient haben, um seine Informanten zu entlohnen. Während des Prozesses verteidigte sich der einstige «Super-Flic», die Geschenke stammten von Informanten, die Freunde geworden seien und ihm lediglich «einen Gefallen tun» wollten. Sein Anwalt sprach von «Fehlern und Ungeschicklichkeiten», sein Mandant habe sich von Gaunern hereinlegen lassen. Neyret sei nicht korrupt, sondern habe immer Ermittlungsergebnisse erzielen wollen.
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