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70 Tote und viele Schwerverletzte

70 Tote und viele Schwerverletzte
(AFP/Banaras Khan)

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Bei einem Bombenanschlag in der pakistanischen Stadt Quetta wurden mindestens 70 Menschen getötet.

Bei einem der schwersten Selbstmordanschläge in Pakistan in den vergangenen Jahren sind vor einer Klinik in der Stadt Quetta mindestens 70 Menschen getötet worden. Das sagte der Gesundheitsminister der Provinz Baluchistan, Rehmat Baluch, am Montagabend. Bis zu 200 Menschen wurden demnach bei der gewaltigen Detonation verletzt. Aus Kliniken hieß es, viele seien schwer verletzt. Über Nacht werde die Zahl der Toten vermutlich steigen.

Viele der Opfer waren Anwälte. Sie hatten sich zu einer spontanen Trauerfeier an der Klinik versammelt, nachdem am Morgen der Chef der Rechtsanwälte-Vereinigung der Provinz erschossen worden war.

Zwei Organisationen gaben die Tat zu

Gleich zwei Terrororganisationen reklamierten die Tat für sich. Es ist nicht ungewöhnlich, dass zunächst mehrere pakistanische Terrororganisationen Anschläge für sich beanspruchen.

Eine IS-nahe Quelle sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass ein IS-Kommandeur Medien angerufen und den Anschlag für sich reklamiert habe. Eine offizielle Stellungnahme des IS gab es zunächst nicht.

Auch der Sprecher der Talibangruppe Jamaat ul Ahrar, Ehsanullah Ehsan, erklärte, seine Gruppe habe den Anschlag verübt. In einer E-Mail an Medienhäuser hieß es: «Heute haben wir zuerst den Chef der Anwälte-Vereinigung angegriffen, um ihn zur Hölle zu schicken. Später, als Anwälte (vor der Klinik) protestierten, haben wir einen Selbstmordattentäter geschickt.» Der Sprecher kündigte weitere Angriffe an, bis Pakistan ein Staat unter islamischer Scharia-Gesetzgebung sei.

Schläfer und Kämpfer

Nach Angaben der pakistanischen Regierung hat der IS keine organisierte Präsenz im Land. Medien melden aber immer wieder Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern. Der IS selber sagt, er wolle unter anderem auf pakistanischem und afghanischem Staatsgebiet eine neue IS-Provinz einrichten, die Khorasan-Provinz.

In Pakistan hatte sich der IS 2015 zu zwei großen Anschlägen bekannt. Am 13. Mai 2015 hatten Kämpfer einen Bus mit Mitgliedern der Ismaeliten-Minderheit angegriffen und mindestens 45 Menschen getötet.
Am 16. August 2015 hatte ein Selbstmordattentäter nahe der Hauptstadt Islamabad 14 Menschen in den Tod gerissen, darunter den Innenminister der Provinz Punjab, Shuja Khanzada.

Riesige Sprengkraft

Wie groß die Zerstörungskraft der Klinik-Bombe von Quetta war, zeigten Aufnahmen von Fernsehsendern. Ärzte und Patienten waren zu sehen, die in Panik aus den raucherfüllten Gängen der Klinik flohen. Laut Gesundheitsminister Baluch wurden Kopf und Füße des Attentäters auf einem Dach gefunden. Nach Angaben der Polizei hatte er etwa acht Kilogramm Sprengstoff zur Explosion gebracht.

Präsident Mamnoon Hussain verurteilte den Anschlag scharf. In einer Botschaft aus dem deutschen Auswärtigen Amt hieß es: «Wir stehen Pakistan im Kampf gegen den Terrorismus zur Seite. Vor allem muss weiter alles getan werden, damit dem Terror der Nährboden entzogen wird und sich seine ideologische Saat nicht weiter in den Köpfen junger Menschen einnistet.»

Weniger Attentate

Der letzte große Anschlag im Land liegt mehr als vier Monate zurück. Ende März hatte ein Selbstmordattentäter der Talibangruppe Jamaat ul Ahrar in einem Park der südostpakistanischen Stadt Lahore mehr als 70 Menschen getötet, darunter Dutzende Kinder.

Die Zahl der extremistischen Anschläge ist seit Anfang 2015 stark zurückgegangen. Nach einem blutigen Anschlag pakistanischer Taliban auf eine Armeeschule im Dezember 2014 hatte die Armee ihre Angriffe auf diese Gruppe verschärft. Andere blieben aber unbehelligt.