«Die Sicherheit ist das erste und höchste Gebot bei einer Drückjagd», erklärte der Präsident der FSHCL („Fédération Saint-Hubert des chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg“), Georges Jacobs, am Donnerstag. Vor jeder Jagd würden die Sicherheitsbestimmungen neu vorgetragen. Jetzt soll außerdem die gemeinsam mit der Naturverwaltung ausgearbeitete Broschüre an alle Teilnehmer der Jagd verteilt werden.
Einige Zahlen:
Die Anzahl der Jäger in Luxemburg beläuft sich auf ungefähr 2.200. Es gibt über 600 Jagdlose und etwa 420 Jagdsyndikate. Im letzten Abschussplan, der über zwei Jahre lief (2014/2015), wurde festgehalten, dass beim Rehwild rund 12.742 Tiere geschossen werden müssen und bei den Wildschweinen rund 13.470 Tiere. Die Jäger müssen im Regelfall diese Abschusspläne einhalten, taten es aber mit 11.325 Tieren beim Rehwild und 8.184 Tieren bei den Wildschweinen nicht.
Der Wildschaden schließlich liegt pro Jahr bei durrchschnittliche 350.000 Euro, die im Augenblick integral von den Jägern getragen werden. Sie forderten am Donnerstag aber eine Hilfe vom Staat und der Allgemeinheit.
Fentingen:
Die Affäre der angeschossenen Frau in Fentingen kam am Donnerstag nur am Rande zur Sprache. Die Jäger gaben sich zugeknöpft und verwiesen auf die laufenden Ermittlungen. Am 24. September wurde eine Frau, die zusammen mit Freunden auf ihrer Terasse «Op der Sterz» in Fentingen saß, von einer Kugel schwer im Gesicht verletzt. Im nahe gelegenen Wald fand zu diesem Zeitpunkt eine Jagd statt. Aber auch ein Schießstand befindet sich inder Nähe des Hauses. Im Zuge der Untersuchung wurden die Waffen mehrerer Jäger beschlagnahmt und untersucht. Über die Resultate der Analysen ist noch nichts bekannt.
Die FSHCL will das Ergebnis der Ermittlungen abwarten. Wenn sich dabei herausstellen sollte, dass ein Jäger für die Tat verantwortlich sei, müsse er die Konsequenzen tragen, wurde am Donnerstag betont.
Dort werden die Regeln der sicheren Jagd erklärt. So soll die Waffe stets ungeladen und mit offenem Schloss getragen werden. Erst auf dem Jagdposten darf sie geladen werden. Bei der Jagd gibt es einen erlaubten Schießwinkel von lediglich 30 Grad. Er muss unbedingt eingehalten werden, so die Verantwortlichen der Jagd-Föderation. Beim Sitzen soll man das Gewehr nicht flach auf seine Knie legen. Im allgemeinen soll man die Flinte immer in eine ungefährliche Richtung halten (45 Grad nach unten). Gewarnt wird beim Schuss vor Abprallern. Es wird geraten immer vor dem Schuss die Umgebung zu analysieren. Und wenn nicht geschossen wird, soll das Gewehr immer gesichert sein.
«Jeder ist für seinen Schuss verantwortlich»
Jeder sei für seinen Schuss verantwortlich, wurde am Donnerstag betont. Wird auf ein Tier geschossen, muss jeder Schuss «begraben» werden, d.h. dass er im Boden landen muss. Des Weiteren muss der Schütze immer sagen können, wo die Kugel gelandet ist. Nach der Jagd ist es Pflicht, die Waffe sofort zu entladen. Angeschossene Tiere müssen mit speziell ausgebildeten Hunden gesucht werden.
Im allgemeinen darf der Jäger seinen Stand nicht verlassen, außer er hilft einem verletzten Treiber, Hund oder Jäger. Aber auch wenn der Schütze angeschossenes Wild mit einem Fangschuss erlegen muss, darf er seine Position verlassen. Schließlich darf er seinen Posten ebenfalls verlassen, um unaufmerksame Spaziergänger auf die Jagd aufmerksam zu machen. Wenn der Jäger sich von seiner Jagd-Position wegbewegt soll er auf jeden Fall auf sich aufmerksam machen und seine Waffe entladen, hieß es am Donnerstag.
Kurse für Treiber
Auch die Treiber müssen sich an Regeln halten. Sie dürfen die Treiberlinie nicht verlassen. Die FSHCL bietet Kurse an, wo die Treiber das richtige Verhalten im Wald bei einer Jagd erörtert bekommen.
Bei einem Unfall muss sofort erste Hilfe geleistet werden und der Notdienst benachrichtigt werden, Außerdem muss umgehend der Veranstalter der Jagd über den Vorfall informiert werden. Dem Jagdleiter obliegt es, dem Notdienst einen reibungslosen Zugang zur Unfallstelle zu organisieren. Unfälle seien aber hierzulande selten. In den letzten zehn Jahren sei es nur zu einem Todesfall bei einer Jagd gekommen, als ein unvorsichtiger Jäger sich aus Versehen selbst erschoss, wurde erörtert. «Die Sicherheitskultur ist hoch hier», wurde bei der Pressekonferenz versichert.
Bitte um Verständnis
Am Donnerstag ging aber auch der Appell an die Bevölkerung Verständnis zu zeigen. Eine Drückjagd wird immer ausgeschildert. Spaziergänger sollten das Areal dann meiden. Eingeschränkt sei man in seiner Bewegungsfreiheit kaum, denn pro Jagdlos finden höchstens an einem bis drei Tagen pro Jahr Jagden statt, wurde erklärt. Sollte jemand aber trotzdem in einen Wald gelangen, wo eine Treibjagd stattfindet, wird geraten, dass er sich durch pfeifen oder rufen bemerkbar macht. Des Weiteren sollte man Jäger oder Treiber fragen, wie man am schnellsten wieder aus der Gefahrenzone rauskommt. Man sollte auf keinen Fall versuchen unbemerkt davon zu schleichen.
Schließlich sollen auch Autofahrer aufmerksam sein, wenn sie das Hinweisschild einer Jagd sehen. Denn zu jedem Zeitpunkt könne flüchtendes Wild auf die Fahrbahn gelangen und schwere Unfälle verursachen. Die Gefahr von Tieren auf der Fahrbahn existiere aber nicht nur während einer Treibjagd, so die Verantwortlichen des Jägerverbandes. Auch am frühen Morgen oder bei der Dämmerung werde im Herbst mehr Wild auf den Straßen gesichtet, ebenso nach der Maisernte, wenn die Teire auf der Suche nach Nahrung größere Streifzüge unternehmen.
Zu Demaart
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