Knapp zwei Wochen nach dem Abbruch ihrer bilateralen Syrien-Gespräche verhandeln die USA und Russland nun in einer größeren Runde mit Staaten der Region, die in den Krieg verwickelt oder davon betroffen sind. Ungeachtet anhaltender Bombardierungen des umkämpften und von Aufständischen gehaltenen Ostteils von Aleppo sei es ein Ziel der am Samstag in Lausanne aufgenommenen Gespräche, zumindest zeitweilige Feuerpausen zur Versorgung notleidender Zivilisten zu erreichen, hieß es in Delegationskreisen. «Wir arbeiten sehr hart», sagte US-Außenminister John Kerry zu Reportern.
Die Syrien-Gespräche zwischen den USA, Russland und den wichtigsten Länder der Krisenregion sollen nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow fortgesetzt werden. Sie hätten sich darauf geeinigt, «die Kontakte im Laufe der nächsten Tage fortzusetzen», sagte Lawrow am Samstagabend nach über vierstündigen Gesprächen in Lausanne den russischen Nachrichtenagenturen. Über den Verlauf und eventuelle Ergebnisse der Gespräche in der Schweiz will Kerry an diesem Sonntag in London die Außenminister Großbritanniens, Frankreichs und Deutschland informieren. Kurz vor Beginn der multilateralen Lausanner Verhandlungen traf Kerry erstmals wieder für eine bilaterales Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zusammen.
Inhalt unbekannt
Über den Inhalt der knapp 40-minütigen Begegnung gab es zunächst keine Verlautbarungen. Washington hatte bilaterale Kontakte mit Russland zur Syrien-Krise am 3. Oktober unter Hinweis auf die anhaltende Bombardierung der syrischen Stadt Aleppo mit Unterstützung Russlands auf Eis gelegt.
An den Lausanner Beratungen in einem Hotel am Genfer See nehmen auch die Außenminister der Türkei, Saudi-Arabiens und Katars teil. Diese Länder unterstützen ebenso wie die USA Rebellengruppen in Syrien. Auch Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif ist beteiligt, dessen Land neben Russland zu den wichtigsten Stützen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gehört. Zudem sind Spitzendiplomaten des Iraks, Ägyptens und Jordaniens nach Lausanne gekommen.
«Irgendeine Art Feuerpause»
Washington hoffe, für Aleppo «irgendeine Art Feuerpause oder wenigstens eine erhebliche Reduzierung der Gewalt zu erreichen», hatte vor dem Beginn der neuen Gespräche US-Außenministeriumssprecher Mark Toner erklärt. Weiterführende Verhandlungen über eine politische Lösung für den Syrien-Krieg wären denkbar, sollte es zur Verständigung auf eine Waffenruhe kommen. Frühere Vereinbarungen über Feuerpausen waren immer wieder nach wenigen Tagen gebrochen worden.
Dem seit fünf Jahren andauernden Syrien-Konflikt sind nach Schätzungen bereits mehr als 400.000 Menschenleben zum Opfer gefallen. Beinahe fünf Millionen Syrer sind vor dem Krieg ins Ausland geflohen.
«Apokalyptische Schlacht»
Derweil starteten syrische Rebellen mit türkischer Unterstützung eine Offensive gegen die Terrormiliz IS in dem Ort Dabik im Norden des Bürgerkriegslandes. Die Islamisten dort bereiteten sich auf eine «apokalyptische Schlacht» vor, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag.
Ein Rebellenführer sagte der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte den Fall Dabiks «innerhalb von Stunden». Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle berichtete unter Berufung auf Aktivisten in Syrien, dass mehr als 1200 IS-Kämpfer auch von anderen Fronten zur «Verteidigung Dabiks» unterwegs seien.
Die Türkei beteiligt sich den Angaben zufolge mit Panzern und Kampfjets am Vorstoß gegen den IS. Das von der Terrormiliz kontrollierte Dabik liegt nördlich von Aleppo unweit der türkischen Grenze. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, in Nordsyrien solle eine 5000 Quadratkilometer große «sichere Zone» geschaffen werden.
Zu Demaart
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